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  * 2004 Athen - Damen * Spielplan / Ergebnisse Damen * NED-GER   Montag, 6. September 2010

Donnerstag, 26. August 2004 um 20.30 Uhr - FINALE UND SPIEL UM GOLD

Niederlande - Deutschland 1 : 2 (0:2)

Sensationelles 2:1 (2:0) im Finale gegen die Niederlande - Deutschland Olympiasieger!

Deutschlands Hockeydamen haben am 26. August im Helleniko-Sportkomplex von Athen Geschichte geschrieben. In einem an Dramatik wohl nicht zu übertreffenden olympischen Finale besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise den haushohen Favoriten Niederlande mit 2:1 (2:0) und gewann die erste deutsche Goldmedaille der olympischen Geschichte des Damenhockeys. Anke Kühn hatte die Mannschaft mit einer Strafecke früh in Führung gebracht und Franziska Gude baute diese Führung mit der zweiten Chance des Spiels auf 2:0 aus.
Davon zehrte das Team, wurde sehr selbstbewusst und sicher, und konnten die Führung in die Pause mitnehmen. Als dann Maartje Scheepstra im Strafecken-Nachschuss das frühe 1:2 machte, wurden es für den EM-Dritten noch einmal 30 ganz heiße Minuten, die mit ungeheurem Willen, Cleverness, Zweikampfstärke und viel Herz überstanden wurden. Danach brachen allen Dämme. Freudentränen und unbeschreibliches Glücksgefühl – mehrere Hundert Fans feierten die Mannschaft noch über eine Viertelstunde lang und diese sich selbst.
Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDas „Wundertüten-Team“ – diesen Begriff hatte Weise selbst geprägt – hat sich mit diesem Erfolg selbst zum Wunderteam gemacht. Alle Spielerinnen hatten im Vorfeld der Spiele den Sieg des „Rehakles“-Teams, der griechischen Fußballer bei der Europameisterschaft als Motivation für Athen genannt. „Warum sollte uns das nicht auch gelingen, von uns erwartet doch auch keiner etwas“, hatte zum Beispiel Kapitän Marion Rodewald gesagt. Und in eben dieser Manier hatte sich Weises Team durch die Olympischen Spiele bewegt, hatte Tiefpunkte weggesteckt, wie die Vorrunden-Niederlagen gegen Holland und Südafrika, um dann zurückzukommen und sich mit einer sensationellen Defensivleistung bis zur Goldmedaille durchzukämpfen.

Deutschland eröffnete die Partie mit einer Offensivaktion und setzte damit gleich ein Zeichen, dass die Niederländerinnen es nicht so leicht haben würden, wie beim 1:4 im Gruppenspiel. Hollands erste Chance dann durch Fatima Moreira de Melo, die eine Freistoßflanke im Kreis aber nicht stoppen konnte. Dann der zweite deutsche Angriff. Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDer Sturm holte einen Freischlag links, dann rechts am Kreis. Als der Ball hoch abgewehrt wird, bekommt Deutschland seine erste Strafecke.
Zu diesem Zeitpunkt hatte man eine von 15 dieser Standards nur zu Toren nutzen können bei Olympia. Doch die Variante auf Anke Kühn, die links auf der Ablage stand, brachte die überraschende Führung.  Ihr halbhoher, harter Schlenzer – verdeckt für Torhüterin Sinnige – landete im langen Eck auf Bretthöhe zum 0:1 (5.) im Tor. Ein Traumstart! Doch Niederlande mit Wut im Angriff. Es brannte gleich einmal vor Louisa Walter und die Berlinerin machte eine Glanzparade gegen einen halbhohen Schuss von Mascha van der Vaart (7.). Eine Hundekurve kurz darauf über links brachten die Holländerinnen nicht als Flanke zur Mitspielerin.
Der Europameister drückte, doch die deutsche Abwehr klärte ein ums andere Mal exzellent, vermied die gefährlichen Strafecken so gut es ging. Holland war lediglich in der Lage, immer wieder Freistöße am Kreis oder an der Viertellinie zu generieren, die aber mit wenig Ideen einfach nur in den Kreis geschlagen wurden, so dass die deutsche Abwehr – um eine erneut überragende Marion Rodewald, wenn man überhaupt eine Spielerin herausheben darf, in einem nahezu fehlerlos agierenden Defensivverband – die Flanken zumeist sicher klären konnte. Donners traf einmal das linke Außenbrett argentinisch (10.), dann doch die erste Strafecke für Holland (12.)
 Doch Donners Schuss rutschte ab und ging daneben. Es passierte nun häufig, dass durch den immensen Druck der Ball zu früh aus der Hand gegeben wurde, doch alle im Team hängten sich rein, um die Gegnerinnen aus dem Kreis fern zu halten. Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerWalter hielt einen Linksschuss von van der Vaart, lenkte die Kugel ins Aus. Dann die zweite Strafecke (13.) - und wieder gehalten. Doch die Kugel war hoch an Haases Körper gegangen. Gut, dass Louisa Walter auch die dritte Strafecke parierte und auch danach eine Kugel mit einer tollen Fußparade über die Latte lenkte (15.). Badri Latif beendete schließlich mit einer ruhigen Abwehraktion die gefährliche Druckphase.
Nicht nur Haase und Rodewald hielten Welthockeyspielerin Mijntje Donners in Gemeinschaftsarbeit vom Kreis fern (17.), auch Natascha Keller sorgte gleich zweimal in Folge (18./19.) am eigenen Kreis für Befreiung. Dann ein Konter über Lätzsch. Die Kugel konnte vorn gehalten werden, bis Keller über rechts an drei Abwehrspielerinnen vorbei ging und mit einem Lupfer an Sinnige scheiterte. Doch Franziska Gude war für den Abpraller am schnellsten dran. Sie legte sich den Ball mit der Vorhand auf die argentinische Rückhand rüber und vollstreckte durch zwei Abwehrspielerinnen durch flach aus fünf Metern zum 0:2 (20.) ins lange Eck.
Der Europameister reagierte mit weiterem Druck, gleichwohl jetzt schon auf einigen Gesichtern ungläubiges Staunen zu sehen war, dass man gegen Deutschland plötzlich 0:2 zurück lag. Der Pressing-Aufbau konnte nun immer wieder sehr effektiv gestört werden. Nadine Ernsting-Krienke war nun auch mit toller Abwehrarbeit hinten zu finden. Ein paar Entlastungsangriffe gab es trotzdem noch, doch der holländische Druck wurde stärker und stärker. Plötzlich brach Natascha Keller doch einmal wieder vorn durch. Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerNach einem Freischlag bekam Ernsting-Krienke die Kugel auf Höhe Siebenmeterpunkt, schüttelte die Gegenspielerinnen ab und wurde dann beim Torschuss gefoult 28.). Die Holländerinnen hätten sich nicht beschweren können, wenn es hier Siebenmeter gegeben hätte, aber Deutschland protestierte auch nicht groß, sondern konzentrierte sich weiter diszipliniert auf die Abwehrarbeit, die auch dringend nötig war.
Denn auf der anderen Seite war Scheepstra durch (31.), wurde aber von Haase gestoppt. Kühn klärte gegen Snooks – zwar oft nur zu langen Ecken oder auf Kosten von Freischlägen, aber es gelang, bis zur Pause eine weitere niederländische Strafecke zu vermeiden. Auch danach fing Deutschland erst viel versprechend an. Walter stoppte van Geenhuizen auf links im Kreis. Und danach ging es nach vorn. Doch ein Ballverlust von Fanny Rinne im eigenen Viertel führte zur vierten Strafecke der Holländerinnen (38.). Die Annahme misslang den Niederländerinnen völlig, doch Donners zog nach rechts und schoss. Marion Rodewald war mit dem Schläger dran, lenkte die Kugel vom Tor ab, aber leider auf einen weiteren holländischen Schläger, von dem der Ball zu Maartje Scheepstra an den rechten Pfosten kam, die vor Kühn die Kugel ins Tor zum 1:2 (38.) lenken konnte.
Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDas schnelle Gegentor, das man vermeiden wollte, war nun doch da. Und Holland witterte Morgenluft. Es folgte eine weitere Serie von Freischlägen und Langen Ecken, doch oft lief der Ball auf durch Freund und Feind, weil die Freistöße zu unplatziert nur in den Kreis geschlagen wurden. Entlastungsangriffe, wie in der 43. Minute über Ernsting-Krienke, wurden nun seltener. Immer wieder gab es Konter über Donners oder Scheepstra, doch auch Lätzsch klärte nun hinten am eigenen Kreis (44.). Mandy Haase holte die Kugel Fatima Moreira de Melo im deutschen Kreis vom Schläger, die jüngste deutsche Spielerin verurteilte den holländischen Star fast zur Chancenlosigkeit . Auch wenn das mit Donners nicht völlig klappte, wurde die erfolgreichste holländische Angreiferin der letzten Jahre doch von Rodewald (47.), Rinne (48.) und Bachmann (48.) oft in Teamwork auf Abstand gehalten und mehr und mehr frustriert.
Zur Entlastung wurde nun häufiger von hinten auch nur noch lang rausgeschlenzt. Bachmann, Rinne und Klecker spielten diese wichtigen Bälle. Es gab jetzt auch wieder gute Gegenangriffe, weil Holland die Räume weiter öffnete. Lätzsch, Müller und die viel rennende und arbeitende Keller tauchten plötzlich am holländischen Kreis auf (50.). Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerNach kurzer guter Phase setze sich Holland aber wieder vorn fest (54.) und kassierte die fünfte Strafecke (55.). Doch Walter hielt erneut und es konnte geklärt werden. Vorn ein Steal von Keller, doch dann wieder zurück. Bachmann klärte clever gegen Karres. Doch erneut gab es eine Serie von Freischlägen. Am gefährlichsten war ein Stecherversuch von Minke Booij am langen Pfosten, doch die Kugel ging rechts vorbei (59.).
Allmählich wurde in der Mannschaft das Bewusstsein erkennbar, dass man es tatsächlich schaffen konnte, Sportgeschichte zu schreiben. Keller, Ernsting-Krienke und Müller gingen vorn erneut auf Chancensuche (61.) und schafften es, den Ball lange in Hollands Hälfte zu halten. Dann eine der letzten Druckphasen des Europameisters. Rinne mit einem eleganten Steal gegen Donners links am Kreis, Kühn gegen Scheepstra und Bachmann mit einer tollen Abfangaktion gegen eine lange Flanke. Dann Kühn mit einem Konteransatz, wurde aber von Sylvia Karres mit einem Schulter-Check gestoppt. Es ging trotz Kopfschmerzen für die vorbildlich kämpfende junge Braunschweigerin weiter. Keller spielte Ernsting-Krienke am Siebenmeterpunkt frei und die Rekord-Nationalspielerin hatte Pech, weil Sinnige das 3:1 verhinderte (65.).
Das deutsche Team suchte jetzt selbst die Offensive, um hinten keine Gefahr zu haben und das klappte gut. Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerKeller und Rinne hielten auf rechts lange die Kugel, holten Einschläge und Freischläge in Serie – technisch stark. Dann war Ernsting-Krienke (67.) wieder gefährlich im Kreis. Doch der abgefangene Ball wurde schnell nach vorn gespielt. Doch wieder wurde Donners abgefangen. Ein letztes Mal Zittern, als eine Kugel links am Tor vorbei lief – Walter wäre aber da gewesen. Es ging in der Schlussminute wieder nach vorn. Keller hatte hier jetzt Riesen-Anteile, und auch Kühn. Als die Holländerinnen dann 19 Sekunden vor Schluss noch einmal einen langen Ball links nach vorn bringen wollten, war da Caroline Casaretto, die die Kugel abfing. Die Uhr tickte runter – Deutschlands Damen waren tatsächlich OLYMPIASIEGER!


TORFOLGE:
05.'   0 : 1   Anke Kühn (Strafecke)
20.'   0 : 2   Franziska Gude (Feldtor)
38.'   1 : 2   Maartje Scheepstra (Strafecke)


STRAFECKEN:
Deutschland 1 (1 Tor)
Niederlande 5 (1 Tor)


 
 

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