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  * 2004 Athen - Damen * Spielplan / Ergebnisse Damen * CHN-GER   Montag, 6. September 2010

Dienstag, 24. August 2004 um 20.30 Uhr - HALBFINALE

China - Deutschland 3 : 4 n. 7m-Schießen (0:0; 0:0)

Damen sind im Olympiafinale / Louisa Walter ist die Heldin

Nachdem im ersten Halbfinale des olympischen Hockeyturniers bereits zuvor die Niederlande denkbar knapp im Siebenmeterschießen mit 4:2 (2:2; 2:2, 0:1) gegen Weltmeister Argentinien gewonnen hatte, schafften auch Deutschlands Damen den im Vorfeld von Athen nie für möglich gehaltenen Einzug ins olympische Hockeyfinale von Athen. Ebenfalls im Siebenmeterschießen, und zwar mit 4:3, gewann das Team von Bundestrainer Markus Weise gegen das zuvor in allen fünf Gruppenspielen siegreiche chinesische Team. Als Heldin von Athen ging Torhüterin Louisa Walter vom Platz, die nicht nur in der regulären Spielzeit und der Verlängerung zehn chinesische Strafecken gehalten hatte, sondern auch im Siebenmeterschießen zwei Schüsse der Chinesinnen entschärfte, so dass der eine Fehlschuss von Franziska Gude ohne Belang war. Es kommt also am Donnerstagabend um 19.30 Uhr (MESZ) im Kampf um Gold zum erneuten Aufeinandertreffen der Vorrundengegner Holland und Deutschland.

Text: dha, Fotos: Dr. W. Sternberger)


Foto (c) Dr. Wolfgang Sternberger Die Chinesinnen, die im letzten Gruppenspiel Weltmeister Argentinien besiegt hatten, kamen mit entsprechendem Selbstvertrauen in diese Partie. Fu Baorong prüfte Louisa Walter gleich in der ersten Minute mit einer argentinischen Rückhand, doch die Berlinerin hielt. Die Mannschaft von Markus Weise hielt aber dagegen. Sie versuchte sich spielerisch aus dem starken Pressing des Asienmeisters zu befreien, was zuerst oft misslang. Aber je länger das Match dauerte, desto mehr Sicherheit bekam durch die Beibehaltung der Linie die deutsche Hintermannschaft, die geschlossen einen Wahnsinnstag erwischte.
In der 6. Minute fing Bachmann einen Angriff am Kreis ab, kurz darauf klärte Keller im eigenen Viertel. Alle arbeiteten hart, besonders die Kapitänin Marion Rodewald holte oft Bälle im Kreis von den chinesischen Angreiferinnen ab, ohne eine Strafecke zu riskieren. Die erste deutsche Chance hatte Nadine Ernsting-Krienke (11.), die sich den Ball neun Meter vor Tor auf die Vorhand legte, aber einen chinesischen Schläger traf. Die emsig im Mittelfeld ackernde Caroline Casaretto holte dann sogar nach schönem Steal die erste deutsche Strafecke (13.) heraus. Rinnes Schlenzer blieb hängen, doch Lehmann wurde am rechten Pfosten beim Nachschuss behindert: zweite Strafecke (14.).
Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDiesmal versuchte es Rinne flach rechts unten, doch Nie Yali bewies, warum sie bislang die Keeperin mit den wenigsten Gegentreffern des Turniers war. Hinten hatte die deutsche Abwehr die richtigen Waffen gegen die Konter. Es konnte zumeist rechts am Kreis abgefangen werden, mal auf Kosten eines Einschlags oder Freischlags, aber China kam nicht zu seinen gefährlichen Strafecken. Vorn waren Kreisszenen selten, aber als Keller die ebenfalls sehr auffällige Silke Müller gut schickte, wurde diese festgehalten, so dass es schon Strafecke Nummer drei gab (21.). Diesmal eine Variante nach links auf Anke Kühn, doch deren leicht abgerutschten flachen Ball hielt Nie sicher.
China operierte immer wieder mit schnell ausgeführten Freischlägen aus der eigenen Deckung, startete seine Konterattacken, doch die Weise-Truppe arbeitete heute perfekt nach hinten. Was jetzt vor der Pause fehlte, waren lediglich eigene Kreisszenen, um selbst eventuell mal zu einem Treffer zu kommen. Zum Glück gelang auch den chinesischen Stürmerinnen nicht viel, die eigentlich immer nur darauf aus waren, Strafecken zu erarbeiten, selbst kaum auf Tor schossen. Vorn dann eine unglückliche Szene, als nach Keller-Solo Lätzsch’s Schlenzer Ma Yibo im Gesicht traf, doch die Chinesin konnte weiterspielen.
Dann noch eine gute Szene von Sonja Lehmann, als sie sich auf links durchsetzte, aber ihre Flanke von gleich zwei deutschen Angreiferinnen im Kreis nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte (32.). Auch die restlichen Minuten der ersten Hälfte blieben ohne Torschuss auf beiden Seiten. China hatte bislang mehr gefährliche Szenen am deutschen Kreis, aber konnte nichts daraus machen, weil die Aggressivität und die Sicherheit in der deutschen Hintermannschaft stimmten.
Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDer EM-Dritte begann auch die zweite Hälfte selbstbewusst. Deutschland ging früh drauf, hatte in den ersten Minuten mehr vom Spiel. Casaretto bediente nach tollem Steal Ernsting-Krienke, doch die blieb im Kreis hängen (40.). Hinten frustrierte die Abwehr die Chinesinnen weiter, die sich viele Freischläge vor dem Kreis erarbeiteten, aber kein Profit daraus schlagen konnten (42./43.). Und nur selten musste Deutschland mit Befreiungsschlägen klären. Zumeist versuchte man, selbst ins Spiel zu kommen. China zeigte jetzt auch Nerven,. Machte Abspielfehler im Aufbauspiel, die bei den Asiatinnen sehr selten vorkommen.
Hinten holten Rodewald, Haase oder Bachmann weiter gut die Bälle ab. Vorn fehlten jetzt allerdings komplett die Kreisszenen. Es gab kaum noch eine Chance, trotz guter Szenen im Mittelfeld und an der chinesischen Viertellinie. Dann verstärkten die Asienmeisterinnen langsam den Druck. Deutschland wurde stärker hinten rein gedrückt. Und tatsächlich gab es dann in der 58. Minute die erste Strafecke für China. Doch Walter parierte den Schuss von Ma und auch den Nachschuss glänzend. Glück dann, als nach langer Ecke im Gewühl vor dem Tor Haase gerade noch vor einer Chinesin zur langen Ecke klären konnte (59.).
Klecker und Latif sorgten dann gemeinsam für Befreiung. Und auch rinne und Keller mussten dann am eigenen Kreis Abwehrarbeit leisten, weil es jetzt brannte (61.). Jetzt hatte Anke Kühn, die erneut ein Riesenpensum absolvierte und vorbildlich fightete, eine ganz starke Phase, als sie gleich zweimal in Folge chinesische Angriffe im Mittelfeld abfing und eigene Konter einleitete. Doch der Ball war auch schnell wieder auf der anderen Seite, wo China Strafecke Nummer zwei – und nach Fuß Keller – auch Nummer drei erhielt. Die Abwehr konnte die Strafecken nicht mehr so effektiv verhindern, der Druck war zu groß. Doch da war ja Louisa Walter, die ein ums andere mal hielt.
Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerGlück allerdings, als eine schöne Variante nach rechts bei der vierten Strafecke (66.) mit einem zu hohen Schuss abgeschlossen wurde. Deutschland suchte Entlastung, doch Tang holte noch Strafecke Nummer fünf (68.). Auch die hielt Walter und Bachmann konnte klären. Es ging in die Verlängerung – und beide Teams wussten, dass ein Treffer hier per Golden Goal Regelung die Entscheidung bedeutet hätte.
Tatsächlich hatte Deutschland die erste Chance. Ein Stecher von Heike Lätzsch ging knapp über das Tor von Nie (72.). Dann kam China erneut stark auf und holte Strafecke nach Strafecke. Nummer sechs wurde geklärt, Nummer sieben ging flach rechts vorbei (74.). Keller konnte mal kurz durch einen Steal für Entlastung sorgen. Doch dann Strafecke Nummer acht (76.), die Walter hielt, und Nummer neun (77.), bei der Anke Kühn hinter der schon überwundenen Walter den Ball auf Kosten einer weiteren Strafecke klärte. China reklamierte auf Siebenmeter, was aber nichts einbrachte. Bei der zehnten Strafecke waren dann alle Chinesinnen am deutschen Kreis, weil die Zeit schon abgelaufen war, aber Walter hielt erneut und Kühn schlenzte die Kugel im fallen aus der Gefahrenzone.
In der zweiten Hälfte der Verlängerung konnte Deutschland die Chinesinnen dann wieder effektiver vom eigenen Kreis fernhalten. Glück für die Asiatinnen, als Tang nach Schulterstoß gegen Casarettos Kehlkopf (80.) nicht auf die Strafbank musste. Die Münchnerin bekam keine Luft mehr und wurde draußen behandelt. Es ging nun hin und her. Einem Konter folgte ein Ballverlust, der Gegenkonter wurde abgefangen. China riskierte nun auch nicht mehr alles, spielte mehr hinten rum. Latif (84.) und Haase (85.) klärten hinten noch einmal brenzlige Situationen am Kreis, dann war auch die Verlängerung vorbei.
Für das Siebenmeterschießen versammelte Weise seine Spielerinnen noch einmal: „Schießt mutig und konsequent. Louisa wird zwei halten“, kündigte der Coach an. Und er sollte Recht behalten. Das Siebenmeterschießen im Ablauf:
1. Fanny Rinne traf sicher links oben zum 1:0
2. Fu Barong verlud Walter und traf rechts halbhoch zum 1:1
3. Denise Kleckers Schuss war auch ganz sicher links oben zum 2:1
4. Gao versagten die Nerven. Ihren mittig geschossenen Ball hielt Walter.
5. Tina Bachmann wählte auch oben links: 3:1
6. Mai traf flach links unten zum 3:2
7. Natascha Keller traf links oben, obwohl Nie dran war: 4:2
8. Tang Chungling traf sicher links unten zum 4:3
9. Franziska Gude rutschte ab. Ihren flachen Ball hielt Nie.
10. Doch Louisa Walter hatte sich den besten Save bis zum Ende aufbewahrt. Zhon Wanfangs Schlenzer wurde ihre sichere Beute – und Deutschland war Sieger!

Foto (c) Dr. Wolfgang SternbergerDie Paarung Niederlande gegen Deutschland hat es bei einem olympischen Finale noch nie gegeben. 1984 holten die Niederlande zwar Gold vor Deutschland, doch damals wurde im Gruppenmodus „jeder-gegen-jeden“ gespielt. Deutschland stand danach nur noch einmal im Finale, und zwar 1992 in Barcelona, als die Mannschaft gegen Spanien mit 1:2 nach Verlängerung verlor. Damals schon dabei: Nadine Ernsting-Krienke und Heike Lätzsch. Die Niederländerinnen haben nach Gold 1984 nie wieder ein Finale erreicht. Sie gewannen allerdings 1988, 1996 und 2000 Bronze. Die deutsche Mannschaft hat bisher zwei Mal Silber gewonnen.


STRAFECKEN:
Deutschland 3 (kein Tor)

China 10 (kein Tor)


 

 
 

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