Sonntag, 22. August 2004 um 08.30 Uhr
Deutschland - Korea 3 : 2 (2:1)
Mit Überraschungssieg das Tor zum Halbfinale wieder aufgestoßen
Mit einem 3:2-Erfolg (2:1) im letzten Vorrundenspiel über die favorisierten Koreanerinnen haben die deutschen Hockeydamen das Tor zum olympischen Halbfinale wieder aufgestoßen. Allerdings muss die Mannschaft darauf hoffen, dass die bereits als Gruppensieger vorzeitig für die Semifinals qualifizierten Holländerinnen am Abend (19 Uhr Spielbeginn) gegen Australien gewinnen oder Unentschieden spielen. Dann würde Deutschland als Gruppenzweiter der Vorrundengruppe B auf den Gewinner der zweiten abendlichen Partie China gegen Argentinien treffen. Ein Sieg der Australierinnen, des Olympiasiegers von 2000, würde Deutschland zurück auf Rang drei reichen, so dass Weises Mannschaft in der Runde um Platz fünf bis acht am Dienstag zuerst auf den Sieger der heutigen Begegnung Neuseeland gegen Spanien treffen würde.
Text: dha, Fotos: Dr. W. Sternberger)
Für beide Mannschaften musste es darum gehen, mit einem Sieg eine optimale Ausgangsposition zu erreichen, und dann auf einen Erfolg der Holländerinnen im späteren Match gegen Australien zu hoffen. Die Koreanerinnen hätten fast schon direkt nach dem Anstoß in Führung gehen können, als eine ihrer Angreiferinnen es verpasste, aus kürzester Distanz die Kugel über die Linie zu bringen. Danach entwickelte sich auf beiden Seiten ein vorsichtiges, in der Defensive sehr konzentriertes Spiel. Beide waren darauf bedacht, hier nicht zu früh in Rückstand zu geraten. Es war dann das Weise-Team, das den besseren Start hatte. Nach einigen viel versprechenden Versuchen in der Offensive drang Natascha Keller rechts in den Schusskreis ein und passte zu Anke Kühn, die die Kugel unter der herausstürzenden Torhüterin hindurch zum 1:0 (12.) ins Tor beförderte. Korea antwortete wütend, holte sich die erste Strafecke (13.) des Spiels, die Kugel verfehlte das Tor aber auf der linken Seite. Das Match spielte sich nun verstärkt im Mittelfeld ab. Beide Abwehrreihen waren auf der Höhe des Geschehens, so dass es kaum Torchancen gab. Erst in der 21. Minute tauchten die Asiatinnen, die im Vorfeld der Spiele die komplette Weltelite schon geschlagen hatten und als einer der Geheimfavoriten für das Turnier galten, wieder vor Torhüterin Louisa Walter auf, doch die Abwehr bereinigte die brenzlige Szene am Ende. Auf der anderen Seite verbuchte Silke Müller die nächste deutsche Chance. Ihr Schuss flog knapp links am Gehäuse vorbei (25.). Deutschland konnte sich aber jetzt am koreanischen Viertel festsetzen und die Angreiferinnen zeigten auf, dass die Abwehr der Asiatinnen durchaus verwundbar ist. Keller und Ernsting-Krienke hatten einige gute Szenen im Kreis, ohne jedoch zum Abschluss zu kommen. Und noch einmal Keller tankte sich durch mehrere Gegnerinnen (30.), bevor sie an der Torhüterin scheiterte. Dann war es plötzlich passiert. Die koreanische Abwehr hatte einen Freistoß am Kreis falsch eingeschätzt, beziehungsweise Franziska Gude in ihrem Rücken nicht auf der Rechnung, die die Kugel aus kurzer Distanz zum 2:0 (31.) über die Linie drückte. Ärgerlich, dass den Koreanerinnen direkt nach dem Wiederanstoß der Anschlusstreffer gelang. Mi Hyun Park war am rechten Schusskreisrand frei zum Schuss gekommen und konnte Walter zum 2:1 (32.) überwinden. Damit ging es dann in die Pause – keine komfortable Führung, aber nach dem Südafrika-Match vom Donnerstag eine erhebliche Steigerung der Weise-Mannschaft, die dabei war, ihre letzte Chance zu nutzen. Klar war, dass Korea nun mit aller Macht aus der Kabine kommen würde, um seiner Favoritenrolle gerecht zu werden und selbst die Chance auf das Halbfinale noch groß zu halten. Tatsächlich holten die Schützlinge von Trainer Kim, der 2000 mit den koreanischen Herren in Sydney Silber gewann, auch sofort die zweite Strafecke heraus (38.). Louisa Walter hielt den Schlenzer jedoch sicher. Doch die deutsche Mannschaft versuchte nicht etwa, die knappe Führung nun zu verteidigen. Sie suchte selbst das Heil im Angriff, um mit einem möglichen dritten Treffer so etwas wie eine Vorentscheidung zu erzielen. Sie wusste allerdings auch, dass in der Vorbereitung auf Athen knappe Führungen gegen Korea nie gereicht hatten, wie etwa im Finale des Vier-Nationen-Turnieres von Hamburg, als Korea trotz 0:1-Rückstand am Ende mit 3:1 gewann. Doch die physisch enorm starken Asiatinnen konnten sich allmählich ein leichtes Übergewicht erspielen und die deutsche Mannschaft zurückdrängen. Auf beiden Seiten blieben Torschüsse jedoch in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte Mangelware. Die Hintermannschaft des EM-Dritten geriet stark unter Druck und konnte nur noch selten Entlastung schaffen, weil Korea mit starkem Pressing das Anspiel in die Offensive unterband. Doch Deutschland überraschte mit einer beherzten kämpferischen Leistung. Die Mannschaft befreite sich aus der Umklammerung und kreierte ihrerseits eigene Chancen. Ein Entlastungsangriff führte zur ersten deutschen Strafecke des Spiels. Und eine Variante auf Caroline Casaretto am rechten Pfosten brachte tatsächlich den Erfolg. Die Münchnerin baute den Vorsprung auf 3:1 (59.) aus. Vergessen war der Ärger von Weise über die sieben vergebenen Strafecken im Südafrika-Spiel. Hier klappte gleich die erste als sauber ausgeführte Variante und öffnete nun alle Chancen. Korea sah nun die eigenen Felle davonschwimmen und startete eine wütende Schlussoffensive, die die deutsche Abwehr noch einmal mit allen Kräften forderte. Doch es war dadurch auch Raum für Konter. Nadine Ernsting-Krienke hätte die endgültige Entscheidung machen müssen, als sie aus nächste Nähe an der koreanischen Torhüterin Lim (65.) scheiterte. Doch es gelang den Deutschen nun, das Spiel lange in die koreanische Hälfte zu verlagern. Die Spielerinnen gaben die letzten Kräfte, um dieses Ergebnis, das keiner nach dem letzten Spiel für möglich gehalten hatte, über die Zeit zu bringen. Es reichte für Korea zwar tatsächlich noch für den Anschlusstreffer, aber der fiel fünf Sekunden vor dem Ende und konnte insofern nur noch Ergebniskosmetik sein. Ein Linksangriff in den letzten Sekunden hatte Seong Eun Kim frei auf der rechten Seite gefunden, die den Ball zum 3:2-Endstand (70.) ins Netz beförderte. Die deutsche Mannschaft gewann also überraschend dieses wichtige letzte Gruppenspiel und beendete die Vorrundengruppe mit sechs Punkten aus vier Spielen auf jeden Fall vor Korea (4 Punkte) und Südafrika (3 Punkte). Alles kommt nun darauf an, wie Australien am Abend um 19 Uhr gegen die bereits vorzeitig als Gruppensiegerinnen für das Halbfinale qualifizierten Niederländerinnen spielt. Australien braucht einen Sieg, um noch vor der Deutschland als Gruppenzweiter in die Semifinals einzuziehen. Ein holländischer Sieg oder ein Remis würde Weises Mannschaft ins Halbfinale befördern.
TORFOLGE: 12.' 1 : 0 Anke Kühn (Feldtor) 31.' 2 : 0 Franziska Gude (Feldtor) 32.' 2 : 1 Mi Hyun Park (Feldtor) 59.' 3 : 1 Caroline Casaretto (Strafecke) 70.' 3 : 2 Seong Eun Kim (Feldtor)
STRAFECKEN: Deutschland 1 (1 Tor) Korea 2 (kein Tor)
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