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  * 2004 Athen - Damen * Spielplan / Ergebnisse Damen * AUS-GER   Montag, 6. September 2010

Samstag, 14. August 2004 um 18.00 Uhr

Australien - Deutschland 1 : 2 (0:2)

Sensationssieg im 1. Vorrundenmatch gegen den Rekord-Olympiasieger

Das deutsche Damenteam ist mit einem Paukenschlag in das olympische Hockeyturnier in Athen gestartet. Im Auftaktmatch gegen Australien, den Rekord-Olympiasieger und Goldmedaillengewinner von Sydney 2000 sowie Atlanta 1996, siegte die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise verdient mit 2:1 (2:0). Vor allem in der ersten Hälfte ließ der Weltranglisten-Siebte den Weltranglisten-Zweiten kaum zur Entfaltung kommen und ging durch Treffer von Nadine Ernsting-Krienke (22.) und Silke Müller (34.) mit einer 2:0-Führung in die Pause. Der amtierende Champions Trophy Sieger Australien kam in der zweiten Hälfte besser auf und auch noch zum Anschlusstreffer durch Julie Towers (58.), lief allerdings auch immer wieder Gefahr noch einen weiteren Gegentreffer zu kassieren. Der Sieg des Europameisterschafts-Dritten war am Ende hart erkämpft, aber verdient.

Text: dha, Fotos: Dr. W. Sternberger)


Es ist für Australien die erste Niederlage bei einem olympischen Turnier seit 1992. Von Anfang an machte das deutsche Team klar, dass sie vor den hoch gehandelten Australierinnen keinen Respekt haben würden. Deutschland hatte mehr Ballkontrolle und verlagerte das Spiel in die australische Hälfte. Eine erste Torchance hatte Anke Kühn (4.), die in der ersten Hälfte eine unglaubliche kämpferische Leistung ablieferte und auch Akzente im Spiel nach vorn setzte, mit einer nicht voll getroffenen argentinischen Rückhand, die noch kein Problem für die australische Keeperin Imison.Foto (c) Dr. Wolfgang Sternberger
Aufregung dann in der Defensive erstmals in der achten Minute, als die Australierinnen durch Hudson erstmals gefährlich im deutschen Kreis auftauchten. Dann konnte Marion Rodewald sich eine Minute später bei einem Konter gegen Towers exzellent behaupten. Nadine Ernsting-Krienke, die die australische Verteidigung vor etliche Probleme stellte, prüfte Imison schließlich mit einem Schuss aus acht Metern (12.), den sie im Fallen noch nicht optimal traf. Hinten stand die Weise-Mannschaft in dieser Phase sehr sicher. Lediglich über links konnten die Australierinnen ab und zu ihre Konterläufe vorbringen.
Nach einem Lehmann-Schuss (15.), den Imison hielt, erarbeitete sich Australien die erste Strafecke der Partie. Doch Louisa Walter fischte den harten, flachen Ball links unten aus dem bedrohten Eck (16.) – die erste von mehreren exzellenten Paraden der Berliner Keeperin. In dieser Phase drückte Australien das erste Mal etwas stärker, doch Deutschland befreite sich und erarbeitete sich selbst gute Möglichkeiten. So fand Mandy Haase nach schönem Solo leider keine Adressaten für ihren Rechtspass (19.) und Natascha Keller kam nach tollem Solo nicht mehr ganz zum Abschluss (21.).
Doch als Anke Kühn (Foto links) einen Freischlag halblinks am Kreisrand hart und etwas hoch auf den langen Pfosten brachte, hatte ihre Braunschweiger Clubkameradin Nadine Ernsting-Krienke genau im richtigen Moment den Schläger da und vollendete per Stecher hoch zum 0:1 (22.). Ihr 121. Tor im 306. Länderspiel der Rekord-Nationalspielerin. Die Gegnerinnen aus „down under“ kämpften sich nun nach vorn, doch die deutsche Mannschaft stand gut. Anke Kühn fing in dieser Phase gleich mehrere Bälle im Mittelfeld ab und leitete gefährliche Gegenkonter ein.
Ein seltener Fehler von Badri Latif brachte die Australierinnen dann mal wieder in den deutschen Kreis (26.). Erste scheiterte ein Hundekurve-Flankenlauf, doch Niki Hudson erhielt eine zweite Chance und verzog von halbrechts aus sechs Meters knapp links vorbei – die bislang beste Chance der hohen Favoritinnen. Das Team vom Fünften Kontinent verstärkte nun den Druck, war am zum Glück für Deutschland zu ungenau im letzten Anspiel in den Kreis.Foto (c) Dr. Wolfgang Sternberger
Die letzten fünf Minuten vor der Pause gelang es Weises Team dann wieder, das Spiel in die australische Hälfte zu verlagern. Und diese Art der Entlastung wurde belohnt. Ein weiterer Freischlag vor dem Kreis wurde hart aufs Tor gebracht. Ersting-Krienke verunsicherte mit einem Stecherversuch die Keeperin und Silke Müller konnte den durchlaufenden Ball zum 0:2 (34.) ins Tor blocken. Ein unglaublich wichtiges Tor kurz vor der Pause!
Das deutsche Team kam mit entsprechendem Selbstvertrauen aus der Kabine und erarbeitete sich gleich seine erste Strafecke des Spiels. Doch Fanny Rinnes Schlenzer wurde von Imison mit dem Handschuh abgewehrt. Die Rekord-Olympiasiegerinnen erhöhten den Druck, konnten aber die gefährlichen Konter der Europäerinnen nicht unterbinden. Heike Lätzsch trug die Bälle oft über rechts nach vorn und verpasste die hereinstürzende Nadine Ernsting-Krienke in der 38. Minute nur hauchdünn. Die Braunschweiger Stürmerin hatte auch in der 40. Minute eine gute Chance, als sie aus drei Metern am rechten Pfosten einen argentinischen Rückhandschuss-Versuch nicht traf.
Das erste mal sah die deutsche Abwehr nicht allzu gut aus, als eine Australierin von halbrechts nicht aggressiv genug angegangen wurde und ihre argentinische Rückhand nur knapp am linken Pfosten vorbeistrich. Auf der Gegenseite wurden die deutschen Spitzen von einer sehr engagiert und kreativ spielenden Fanny Rinne immer wieder gut eingesetzt. Silke Müller (41.), Natascha Keller (46.) und erneut zweimal Keller (47. und 48.) wirbelten dabei die australische defensive kräftig durcheinander.
Nun setzte sich Australien erstmals für ein paar Minuten vor dem deutschen Kreis fest. Allerdings zeichnete sich Louisa Walter nun mehrfach durch Weltklasse-Paraden aus. Auch bei der zweiten Strafecke gegen einen Dobson-Schlag (51.) und bei der dritten gegen einen Schlenzer von Angie Skirving (53.) war Walter auf dem Posten. Dann hätte ein toller Konter über Rinne, Sonja Lehmann und Nadine Ersting-Krienke fast das 0:3 gebracht (54.), doch Imison klärte zur langen Ecke. Nach Müller-Flanke zwang ein Vorhand-Stecher von Jubilarin Natascha Keller (200. Länderspiel) die Australierin dann zu einer Riesen-Parade (55.), als sie im zweiten Nachfassen den Ball mit dem Handschuh aus der Gefahrenzone brachte.
Das 1:2 (58.) fiel dann fast etwas überraschend. Australien war zwar im deutschen Viertel, hatte aber keine Gefahr vor Walter erzeugen können. Dann kam eine Flanke von rechts plötzlich scharf vor das Tor und Julie Towers lenkte den Ball mit einem verdeckten Stecher von Halbrechts ins lange Eck – ein Traumtor und keine Chance für Louisa Walter. Die verhinderte nur Sekunden später den Ausgleich, als Twitt nach dem Wiederanstoß plötzlich von halblinks aus acht Metern frei zum Schuss kam.
Zu diesem Zeitpunkt führte Deutschland in der Torschussstatistik noch mit 11 zu 10 Versuchen – ein Wert, den niemand im Vorfeld der Spiele für möglich gehalten hätte. Auch wenn Australien nun klar dominierte, erarbeitete sich das deutsche Team weiter gute Konterchancen. Keller hatte etwas Pech, das oft im letzten Zweikampf am oder im Kreis die Kugel hängen blieb. Ansonsten klärte Imison einmal nach toller Casaretto-Vorarbeit vor der einschussbereiten Sonja Lehmann (61.).
Die Entlastungen waren jetzt wichtig, denn Australien wehrte sich mit Macht gegen die drohende Niederlage. Rinne fing jetzt auch am eigenen Kreis Bälle ab und Badri Latif sorgte auf der rechten Angriffsseite der Australierinnen immer wieder mit sauberen Abwehrstechern dafür, dass keine Flanken in den Kreis kamen. Auf links war es Tina Bachmann, die ihre Gegenspielerin in der zweiten Hälfte schier zur Verzweiflung brachte. Schrecksekunde plötzlich in der 65. Minute als Routinier Catrina Powell frei in der Mitte am Kreisrand zum Schuss kam und nur um zehn Zentimeter links vorbeischoss.
Auf der Gegenseite (68.) hätte die Schiedsrichterin dann eigentlich auf Siebenmeter für Deutschland entscheiden müssen, als Natascha Keller nach einem Solo schon an Imison vorbei war und diese die Berlinerin nur mit einem tritt an die Beine stoppen konnte. Doch der Pfiff blieb aus und die deutsche Mannschaft musste noch 90 Sekunden zittern. Doch zweimal Bachmann unterband erneut Angriffsversuche über links und die Uhr tickte runter, bis zum sensationellen Auftakterfolg. Minutenlang feierten die deutschen Spielerinnen tanzend auf dem Platz diesen Sieg, den wirklich kein Experte prognostiziert hatte.

Am Mittwoch um 9.30 Uhr (MESZ) trifft die Mannschaft nun auf Europameister Niederlande, der in der seine Favoritenrolle in der ersten Vorrundenpartie der Gruppe B am Vormittag mit einem eindrucksvollen 6:2 (5:1) gegen Afrikameister Südafrika unterstrich. Die Niederlande haben allerdings am Montag noch ihr zweites Vorrundenmatch gegen Südkorea zu absolvieren, wenn das deutsche Team spielfrei hat. In Gruppe A schlug Asienmeister China die Auswahl Japans, immerhin Sieger des olympischen Qualifikationsturniers im März in Neuseeland, überraschend deutlich mit 3:0.


TORFOLGE:
22.'   0 : 1   Nadine Ernsting-Krienke (Feldtor)
34.'   0 : 2   Silke Müller (Feldtor)

61.'   1 : 2   Julie Towers (Feldtor)


STRAFECKEN:
Australien 3 (0 Tore)

Deutschland 1 (0 Tore)


 

 
 

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