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Natascha Keller – das Halbfinale fest im Visier
Von Fischtabletten und einer hockeyverrückten Familie
Natascha Keller fährt optimal vorbereitet zu ihren dritten olympischen Spielen. Die Ausnahmestürmerin vom Berliner HC hat seit dem letzten Oktober ihr BWL-Studium in der Tasche und sich seitdem voll und ganz auf den Sport konzentrieren können. Nach überstandener Sprunggelenksverletzung will Taschi, wie sie von den Mitspielerinnen genannt wird, in Athen voll angreifen. „Ich persönlich fühle mich so fit wie lange nicht mehr. Aber vor allem haben wir als Team einen großen Sprung nach vorne gemacht und sind endlich wieder in der Lage, den Top-Favoriten Paroli zu bieten. Mit etwas Glück können wir sogar das Halbfinale schaffen“, ist die 27-jährige überzeugt.
Die Berlinerin, die 1999 schon einmal zur Welt-Hockeyspielerin gekürt worden ist, hat jetzt genau den Spaß am Hockey wieder gefunden, den sie nach Olympia 2000 in Sydney verloren hatte. „Damals war ich einfach völlig überspielt und hatte vom Hockey die Schnauze voll“, erinnert sie sich zurück. Dass es zuletzt nicht wieder zu einer solchen Übersättigung kam, lag auch an einer unfreiwilligen Zwangspause. Natascha verletzte sich im vergangenen Herbst so unglücklich an der Fußsohle, dass sie die komplette Hallensaison – „das war wirklich schrecklich für mich, ich liebe die Halle“ – pausieren musste. Gerade wieder genesen folgte gleich der nächste Rückschlag. Sprunggelenksverletzung, erneut Sportverbot auf unbestimmte Zeit. Zwar kämpfte sie sich bis kurz vor der Olympia-Qualifikation in Neuseeland fast wieder heran, doch Bundestrainer Markus Weise nominierte den angeschlagen BHC-Star nicht für den Kader. „Am Anfang war ich richtig sauer, weil ich immer spielen will, wenn ich irgendwie laufen kann. Heute weiß ich, dass es genau die richtige Entscheidung war. Nur dank meines behutsam dosierten Aufbauprogramms stehe ich heute wieder da, wo ich bin.“ Neben unzähligen Trainingseinheiten trieben aber auch Fischtabletten und Muschelkonzentrate die Genesung des bekennenden Harald Schmidt-Fans voran. Auch jetzt schluckt Taschi noch immer regelmäßig die „heiß geliebten“ Pillen. „Ich kann das Zeug langsam nicht mehr sehen. Aber es ist gut für die Knorpel, deswegen ziehe ich das durch. Außerdem muss halt jeder seine Opfer fürs T eam b ringen“, zeigt sie sich einsichtig. Um gleich noch einmal zu erklären, warum sie so motiviert bei der Sache ist. „Die Mischung aus „alten Hasen“ und jungen, hungrigen Newcomern ist bei uns zur Zeit ideal. Wir verstehen uns auch außerhalb des Platzes als Team und halten zusam-men. Deshalb glaube ich an ein erfolgreiches Abschneiden in Athen.“ Olympische Erfolge haben Tradition in der Familie. Großvater Erwin holte schließlich 1936 schon Olympisches Silber in Berlin, Vater Carsten 1972 in München Gold und ihr älterer Bruder Andreas 1992 in Barcelona ebenfalls Gold. Am liebsten hätte Natascha gemeinsam mit ihrem jüngerem Bruder Florian diese Tradition fort geführt. Aber leider verpasste dieser – obwohl als eines der größten deutschen Talente gehandelt – nach einem Schlüsselbeinbruch bei der gewonnenen Champions Trophy 2001 den Wieder-Anschluss im Nationalteam. „Ich finde es irgendwie schade, weil Flori zu den besten Stürmern Deutschlands gehört. Leider hat er nicht immer die professionellste Einstellung gehabt, sonst hätten wir im olympischen Dorf vielleicht ein Doppelzimmer nehmen können“, lacht Taschi. Zu Hause in Berlin harmonieren die beiden so blendend, dass sie sich seit zwei Jahren eine gemeinsame Wohnung teilen. Die Familie ist generell ein starker Faktor im Leben der Nationalspielerin. Mutter Ulrike, fast bei jedem Spiel in Berlin am Platz dabei, ist der ruhende Pol im sportlichen Trubel der Kellers. Hauptsache, die Kinder sind zufrieden, ist ihr Leitsatz. Vater Carsten steht Natascha auch beruflich bei. Über seine Verbindungen als selbstständiger Generalvertreter der „Allianz“ hat Natascha ab Oktober einen Job als Kundenberaterin beim Versicherungskonzern erhalten. Ihr Arbeitgeber wird die Hockeylaufbahn mit Freistellungen und Sonderurlaub zunächst für ein Jahr unterstützen. Dann möchte Taschi eventuell noch mal sechs Monate im Ausland Hockey spielen. „Ich hatte schon mehrere Angebote aus Holland. Aber auch Australien reizt mich. Da will ich mich noch nicht festlegen.“ Was danach passiert, ist noch völlig offen. Die Goalgetterin, die seit über einem Jahr mit dem Berliner Hockey-Torwart Benjamin Scheper (32) liiert ist, könnte sich gut etwas im Bereich Sportmarketing oder Fernsehen vorstellen. Eventuell wird sie aber sogar auch das Büro des Vaters übernehmen, wenn dieser sich irgendwann zurückzieht - vielleicht sogar gemeinsam mit ihrem Bruder Florian. „Optimal wäre es natürlich, wenn ich Flori dann immer damit aufziehen könnte, dass bei mir eine Olympia-Medaille über dem Schreibtisch hängt und bei ihm nicht“, lacht Natascha.
dha - deutsche hockey agentur
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