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Nadine Ernsting-Krienke – träumt von Schokoladentagen
Für die 30-jährige Braunschweigerin sind es die 4. Olympischen Spiele
Nadine Ernsting-Krienke ist neben der Kölnerin Heike Lätzsch die einzige im deutschen Hockey-Olympiateam, die schon zum vierten Mal am bedeutendsten Hockeyturnier der Welt teilnimmt. Sie hat damit auch bereits eine olympische Medaille gewonnen – die silberne 1992 in Barcelona. Dennoch empfindet die Industriekauffrau aus Niedersachsen es keineswegs als Routine: „Olympische Spiele sind immer etwas ganz Besonderes.“
Wie die meisten ihrer Teamkolleginnen träumt auch Nadine vom Halbfinale. „Uns ist klar, dass wir Schokoladentage haben müssen. Aber seit Sydney wissen wir doch auch, dass nichts planbar ist bei Olympia. Da hatten wir eine so starke Mannschaft und zuvor die Champions Trophy erstklassig gespielt. Und dann klappte nichts. Warum sollte es diesmal nicht genau anders herum laufen? Mit inzwischen 305 Länderspielen für Deutschland ist Nadine Ernsting-Krienke unumstrittene deutsche Rekord-Nationalspielerin. Zudem hat sie inzwischen 120 Tore im Nationaltrikot erzielt. Diese Marken sind für Nadine jedoch ohne große Bedeutung. Auf die Frage, ob sie sich sicher war, dass sie sich trotz der großen Konkurrenz in der Offensive bei der Olympia-Nominierung durchsetzen würden, antwortet sie selbstbewusst: „Ich wusste, dass ich in dieser Mannschaft eine Größe bin. Aber bei mir ist immer am wichtigsten, dass ich meinen eigenen Zielvorstellungen genüge. Wenn ich mit mir selbst nicht zufrieden bin, kann mich der Trainer noch so loben – das nützt nichts.“ Aggressiver zu sein beim Eindringen in den Kreis und im „Eins-gegen-Eins“-Spiel, sind die beiden wichtigsten Entwicklungskriterien, die Nadine sich für Athen noch vorgenommen hat. „Ich darf nur nicht im Spiel darüber nachdenken. Da lebe ich von meinen Intuitio nen. Wenn ich selbst nicht plane, was ich als nächstes mit dem Ball mache, dann ahnt es meine Gegenspielerin erst recht nicht.“ Die Vorfreude auf Athen hängt bei Nadine auch damit zusammen, dass sie endlich wieder ihre kongeniale Sturmpartnerin Natascha Keller als Zimmergenossin hat. Seit Amtsantritt von Markus Weise hatte dieser die Lehrgangszimmer stets einteilen lassen, um die Integration der vielen Newcomer zu fördern. Diesen Sinn hat die Braunschweigerin auch unterstützt, freut sich aber dennoch nun auf die alte, neue Olympia-Stube Keller/Ernstig-Krienke. „Wir sind einfach ein eingespieltes Team und verstehen uns blind.“ Das soll auch auf dem Platz nach Athen so bleiben. Beide haben miteinander schon darüber gesprochen, dass die Weltmeisterschaft 2006 ein lohnenswertes Ziel sei – ein Zeichen für die zurückgekehrte Spielfreude und gute Stimmung im deutschen Damenteam. Solange sie noch mithalten könne, wolle sie eigentlich nicht aufhören, sagt NEK – so das vereinfachende Kürzel für die Nationalspielerin mit dem langen Doppelnamen (im übrigen bildet das Kürzel und ihre Rückennummer auch die Grundlage für die eigene Website www.nek5.de). Ihre Eigenschaften auf dem Platz – Schnelligkeit und Zielstrebigkeit – hat Nadine auch in ihrer Ausbildung bei der Volkswagen AG unter Beweis gestellt. Quasi im Sprint absolvierte sie in Wolfsburg ihre Ausbildung zur Industriekauffrau. Statt nach vorgesehenen zweieinhalb Jahren legte sie bereits nach nur 24 Monaten die Prüfungen ab, um rechtzeitig vor der WM 2002 fertig zu sein. „Ich wollte unbedingt die Weltmeisterschaft mitspielen“, erklärt Nadine. „Ansonsten wären die regulären Prüfungstermine genau in die Turnierzeit gefallen.“ Die Sportförderung von VW unterstützt die Nationalspielerin weiterhin ideal: Nadine erhielt im Unternehmen einen festen Arbeitsplatz auf einer so genannten Sportler-Kostenstelle. Im VW-Fahrservice liegen ihre Aufgaben in der Disposition und Koordination der Dienstfahrzeuge für Geschäfts- und Privatkunden. Die Sportlerstelle bei VW beinhaltet Freistellungen für Trainings- und Wettkampfmassnahmen. Die guten Erfahrungen, die sie heute bei ihrem Arbeitgeber macht, waren vorher im Studium gegenteilig gewesen. Kurioser Weise erhielt sie an der TU Braunschweig ihre Scheine für die Hockey-Einführungskurse nur mit Schwierigkeiten, weil sie ihre Anwesenheit in diesem Kurs nicht erfüllen konnte – sie vertrat zur gleichen Zeit Deutschland bei den Olympischen Spielen in Atlanta... Um ihren Sport unter idealen Bedingungen ausüben zu können, verpflichtete sich Nadine für zwei Jahre als Sportsoldatin bei der Bundeswehr. Dort war sie die erste und bislang einzige Frau mit der Disziplin Hockey. „In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2000 bot mir die Bundeswehr optimale Trainingsbedingungen. Ich kann diese Einrichtung nur empfehlen, insbesondere jungen Spielerinnen, die unschlüssig sind, was sie beruflich machen wollen, und sich zunächst für den Leistungssport entscheiden.“ Auch außerhalb des Hockeyfeldes gehen manchmal eben einfach die Flöhe mit ihr durch. NEKs Freund Roger Glamann kann damit sehr gut umgehen. „Er ist ein Typ, der erst einmal in Ruhe nachdenkt und dann handelt“, sagt Nadine über den 35-jährigen Industriedesigner. „Wir harmonieren optimal.“ Kennen gelernt haben sich die beiden im Sommer 2000 auf Sylt. Die Insel ist zu jeder Zeit des Jahres ihr Lieblingsreiseziel. Gemeinsam mit Roger – und unter Mithilfe ihrer Mutter – hat Nadine gerade eine eigene Dachgeschosswohnung mitten in der Braunschweiger City restauriert. Da war sie nebenbei oft auch noch „Baustellenleiterin“ (O-Ton NEK), denn die Räume mussten erst einmal von Grund auf ausgemistet und wiederhergestellt werden. Mit dem Kauf der Wohnung unterstreicht sie den Willen, ihrer niedersächsischen Heimat auch in Zukunft die Treue halten zu wollen. „Ich fühle mich hier wohl. Gemeinsam mit der Arbeit bei VW ist das für mich das optimale Lebensumfeld. Auch die Wurzeln der Hockeykarriere von Nadine Ernsting-Krienke liegen in Niedersachsen – genauer in Celle. Bei Eintracht Celle war sie mit 13 Jahren eine absolute Spätstarterin und folgte ihrer jüngeren Schwester Maike (Torhüterin bei Klipper Hamburg) auf den Hockeyplatz. „Für mich ist sie die beste Keeperin, die es gibt“, lautet das Urteil der älteren Schwester. Seit beide in verschiedenen Teams spielen, kam es auch schon zu einigen Schwestern-Duellen. Seit 1989 spielt Nadine für den Bundesligisten Eintracht Braunschweig. Bereits ein Jahr später folgte das erste A-Länderspiel. In drei Jahren vom Sportplatz im niedersächsischen Celle aufs internationale Parkett: Ein weiterer Rekord, den ihr wohl so schnell niemand streitig machen wird.
dha - deutsche hockey agentur
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