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  * Damen * Team-Vorstellung * Abwehr * Lehmann, Sonja   Samstag, 4. September 2010

S O N J A    L E H M A N N



TuS Lichterfelde Berlin

Jahrgang 1979

Berufsziel

Ärztin

 

Rückennr. 27

 

1996  1.Platz  6-Nationen-Turnier U18 Paris
1997  2.Platz  6-Nationen-Turnier U18 Köln
2004  1.Platz  12.Hallen-Europameisterschaft  Eindhoven
2004  4.Platz  Olympic Qualfier Auckland
2004   1.Platz   Olympische Spiele Athen

27 Länderspiele, 3 Tore (Stand: 31.7.04) 


 


Sonja Lehmann – Olympiaticket in letzter Sekunde

Über harte Rückschläge und ein ungewöhnliches Comeback

Sonja Lehmann muss schmunzeln, wenn sie sich an die Umstände ihrer Rückkehr ins Nationalteam erinnert. „Es kam bestimmt noch nicht so oft vor, dass sich eine Spielerin per Telefon für eine Europameisterschaft empfohlen hat“, weiß die sympathische Berlinerin um die Außergewöhnlichkeit ihres Anrufes beim Bundestrainer Anfang Januar. Markus Weise beobachtete die Lichterfelderin bereits kurz darauf im Derby gegen den BHC und befand sie direkt für EM-tauglich. Ein paar Wochen später gewann Sonja in Eindhoven tatsächlich die Goldmedaille.


Wer nun meint, der 24-jährigen würde auch sonst im Leben alles einfach so zufliegen, täuscht sich gewaltig. Sonja musste sowohl im sportlichen, als auch im privaten Bereich schon einigen Nackenschläge wegstecken. Vor vier Jahren starb ihr Vater, selbst ein begeisterter Freizeit-Hockeyspieler, während eines Spiels auf dem Hockeyplatz an einem Herzinfarkt. Ein Schock für Sonja, ihre Mutter und die beiden jüngeren Geschwister. Die Familie rückte ganz eng zusammen, um den Verlust gemeinsam zu verarbeiten. „Ich habe seitdem ein noch innigeres Verhältnis zu meiner Mutter. Auch der Kontakt zu meinen Geschwistern ist sehr intensiv. Wir versuchen, uns so regelmäßig wie möglich zu sehen“, beschreibt sie die familiäre Bindung.

Trotz dieses Rückschlages feierte Sonja, die von der U 16 bis zu den Juniorinnen alle DHBTeams durchlief – „dann hatte ich irgendwann keinen Spaß mehr und bin zurück getreten“ – 2001 ihr Debüt im A-Kader. Allerdings brachte sie es gerade mal auf fünf Länderspiele, ehe eine chronischen Achillessehnenreizung für ein abruptes Ende sorgte. „Das war schon richtig bitter für mich. Ich hatte gerade Fuß gefasst, dann war plötzlich alle vorbei“, erinnert sich die Blondine zurück. Es folgten zwei Jahre ohne internationale Einsätze, das Kapitel Nationalteam war eigentlich schon abgehakt. Bis der eingangs beschriebene Anruf alles veränderte. „Ich fühlte mich damals einfach super drauf und es reizte mich plötzlich doch noch mal, ein großes Turnier mitzumachen. Als ich dann las, dass Markus seine Stammspielerinnen schonen möchte, hab ich einfach zum Hörer gegriffen“, beschreibt Sonja ihre Beweggründe. Eigentlich sollte danach direkt wieder Schluss sein mit der Nationalmannschaft. Eigentlich. Weise war von ihrem EM-Auftritt aber so angetan, dass er Sonja prompt zum ersten Ausscheidungslehrgang für die Olympiaqualifikation in Neuseeland einlud. Dass dieser im Endeffekt dennoch ohne die Berlinerin stattfand, ist eine Story für sich: „Ich hatte seine Mail zwar erhalten, stand aber nicht explizit auf der Liste der Teilnehmerinnen drauf. Deshalb dachte ich, ich sei nur in den Verteiler gerutscht, aber nicht eingeladen. Also bin ich da auch nicht hingefahren“, erklärt Sonja das Missverständnis. Eine Woche später hatte sie erneut elektronische Post. Teammanagerin Carola Meyer brachte darin ihren Unmut über Sonjas „stilloses Verhalten“ mehr als deutlich zum Ausdruck und teilte ihr mit, dass der Bundestrainer ebenfalls stinksauer sei. „Alle dachten, ich hätte einfach keinen Bock gehabt und es nicht mal für nötig gehalten abzusagen“, schmunzelt „Sunny“, wie sie die Teamkolleginnen nennen, heute über den Vorfall. Natürlich betrieb sie sofort Aufklärung. In zwei längeren Telefonaten konnte sie den Bundestrainer und die Managerin von ihrer Unschuld überzeugen. Die Chance zur Rehabilitation nutzte die bekennende Berlin-Liebhaberin – „eine geniale Stadt, ich werde wohl immer hier wohnen“ - beim folgenden Lehrgang so überzeugend, dass sie sich zur Überraschung vieler das Ticket für Neuseeland sicherte. Bei der Qualifikation spielte sie ebenso wie bei den folgenden Länderspielen in Bad Neuenahr und Amsterdam stark auf. Als die mittlerweile 26-fache Internationale ihr Athen-Ticket schon fast sicher zu haben schien, folgte der nächste Rückschlag. Nach einem rüden Foul der chinesischen Keeperin beim Vier- Nationen-Turnier in Hamburg musste Sonja ausgewechselt werden. Erste Diagnose: Bänderriss, vier Wochen Pause. Der Olympiatraum schien geplatzt. Letzten Aufschluss sollte eine Kernspin-Tomographie zwei Tage später bringen. Es begann das große Zittern. „Markus Weise hatte inzwischen bekannt gegeben, dass ich dabei bin, wenn die Bänder nicht gerissen sind. Ich war zwei Tage lang völlig durcheinander, bis die Untersuchung endlich stattfand.“ Das Ergebnis ist bekannt. Als Sonja von der positiven Diagnose erfuhr, war sie total erleichtert. „Danach habe ich mich erst mal schlafen gelegt, weil ich durch die ganze Anspannung tierisch erschöpft war“, blieb eine Spontanfeier aber aus.

Einziger Nachteil der Nominierung: Wegen Olympia muss die Medizinstudentin den Beginn ihrer Doktorarbeit auf den Herbst verschieben. Als angehende Kardiologin – „das Interesse an diesem Gebiet hängt sicher auch mit meinem Vater zusammen“ – wird sie dann an ausgesuchten Koronarpatienten Herzfrequenzvariabilitätsschwellen austesten und mit normalen Schwellen vergleichen. Dass sie mit dann gerade mal 25 Jahren bereits im kommenden Oktober das 2. Staatsexamen ablegen wird, steht eindeutig im Widerspruch zu ihrem sonst eher chaotischen Charakter. Sonja, die mit dem Lichterfelder Herrenspieler Bastian Dittbrenner zusammen lebt, ist bekannt dafür, in ihrem Zimmer auf einem Haufen von Büchern und Unterlagen zu hausen. Und wenn sie es überhaupt mal pünktlich zum Training schafft, kann es gut passieren, dass sie einen Schuh oder den Schläger vergessen hat. „An wichtige Dinge wie zum Beispiel Klausurentermine lasse ich mich deshalb immer von meiner Mutter erinnern, sonst wäre ich wahrscheinlich schon lange exmatrikuliert worden“, lacht Sonja. Hoffentlich hat sie ihrer Mutter schon die Abflugzeiten für Athen durchgegeben...

dha - deutsche hockey agentur

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