» HockeyPlatz
  * Herren * Team-Vorstellung * Mittelfeld * Scharowsky, Justus   Samstag, 4. September 2010

J U S T U S    S C H A R O W S K Y



Münchner SC

Jahrgang 1980

Berufsziel:
Lokomotiv-
führer

 

Rückennr. 26

 

1996   2.Platz   6-Nationen-Turnier U16 Paris
1997   2.Platz   6-Nationen-Turnier U18 Köln
1998   1.Platz   6-Nationen-Turnier U18 Milton Keynes
1998   1.Platz   9. Junioren-Europameisterschaft Posen
2000   2.Platz   10. Junioren-Europameisterschaft Madrid
2001   3.Platz   8. Junioren-Weltmeisterschaft Hobart
2002   2.Platz   24. Champions Trophy Herren Köln
2003   6.Platz   25. Champions Trophy Herren Amsterdam 
2004   3.Platz   Olympische Spiele Athen



62 Länderspiele, 8 Tore (Stand: 16.8.2004)




Justus Scharowsky – ein ‚kreativer Chaot’

Der Mittelfeldspieler ist ein Europareisender nicht nur in Sachen Hockey

Freitag, der 13. August, kann für Justus Scharowsky nur ein Glückstag sein. An diesem Tag feiert der deutsche Hockey-Nationalspieler nämlich nicht nur seinen 24. Geburtstag, er wird auch die Eröffnungsfeier bei den Olympischen Spielen in Athen erleben – und zwar live, als Aktiver, zum ersten Mal in seiner internationalen Karriere. Das einzige, was dem Geburtstagskind dann am Freitag passieren könnte, ist, dass er sein Portemonnaie irgendwo liegen lässt oder das deutsche Team in der Hektik vor dem Einmarsch aus den Augen verliert.


Tatsächlich gibt es eine regelmäßige Kolumne in den Berichten von Teammanager Dieter Schuermann über die Herrenmannschaft, in der von Justus’ Missgeschicken berichtet wird. Darauf angesprochen, ob er da nicht ein wenig zu schlecht wegkomme, sagt Scharowsky: „Nein, wieso? Das schreibt Dieter doch eigentlich noch recht freundlich.“ Es ist nicht so, dass der Mittelfeldspieler mit der „Wuschel-Frisur“ damit kokettiert, er hat sich damit abgefunden, dass ihm solche Dinge passieren.
„Ich mache mir manchmal nicht viele Gedanken über das, was um mich herum geschieht“, sagt er, „oder denke nicht über die Konsequenzen nach, wenn ich etwas mache. Da ziehe ich das Pech halt an. Aber ich trete neben dem Platz gern auch weiter in jedes Fettnäpfchen, wenn es auf dem Platz dafür gut läuft.“ Bundestrainer Bernhard Peters schätzt den ‚kreativen Chaoten’ in seinem offensiven Mittelfeld: „Justus macht vor und im Kreis einfach oft Sachen, mit denen kein Gegenspieler rechnet. Ich hoffe, dass er uns mit dieser Art von Genialität in Athen helfen kann.“
Das würde dann sicher auch Scharowskys Großmutter besänftigen, die dem Enkel einst zürnte, als dieser – noch bei der HG Nürnberg spielend – bei geschafftem Nicht-Abstieg mit einem Freund eine Wette einlöste und nackt über den Hockeyplatz rannte. Eigentlich war das unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant, doch ein Teamkamerad hatte den Termin ‚verraten’ – und so waren nicht nur mehr Zuschauer am Feldrand als beim Heimspiel zuvor, sondern auch ein Journalist der Abendzeitung. Die Hockeyjungs kniffen nicht und „flitzten“, mit dem Erfolg, dass ein Foto vom nackten Justus am Tag darauf den Titel der Lokalzeitung zierte.
Großmutter Scharowsky bekam dieses Foto nun im Vorfeld von Olympia noch einmal präsentiert. „Die Abendzeitung hat es noch einmal größer gebracht als vor sieben Jahren“, erzählt Justus. „Und da hat meine Oma mich gleich noch einmal angerufen.“ Die Einlösung von gewagten Wetten ist eine Art Hobby des Nationalspielers. So sprangen er und Junioren-Nationalspieler Johannes Specht auch schon mal vom Segelboot in den Chiemsee und versuchten schwimmend die Fraueninsel zu erreichen. Auch geschätzten 20 Minuten Schwimmzeit wurden damals zwei Stunden, in denen beide mit viel Mühe das rettende Ufer erreichten. Immerhin hatten sie dann einen Abend Getränke frei auf Kosten eines Freundes.
Übelnehmen kann dem „liebenswerten Chaoten“ seine Fauxpas keiner so richtig. Auf der Führerscheinstelle in Erlangen brach der zuständige Beamte im vergangenen Jahr in einen Lachkrampf aus, als er im Behördenrechner entdeckte, dass Justus seit Besitz des Führerscheins diesen in jedem Jahr neu beantragen musste, weil er regelmäßig sein Portemonnaie verlor. In diesem Jahr sei das noch nicht passiert, sagt der Wirtschaftsstudent – um zuzugeben: „Weil der Führerschein zurzeit bei der Polizei liegt. Ich bin zu schnell gefahren.“
Auf den zweiten Blick merkt man, dass hinter der etwas chaotischen Fassade ein intelligenter und in seinen Lebensstrukturen durchaus gut organisierter junger Mann steckt. Justus hat in München das BWL-Grundstudium absolviert und studiert zurzeit an einer Pariser Universität ESCP-EAP ein Aufbaustudium für Europäisches Management. Der Studiengang umfasst drei Jahre, die die Studenten in drei verschiedenen Ländern zu absolvieren haben. Die Uni in Paris fördert auch Sportler in Frankreich und so profitiert auch der junge Deutsche von der Sportbegeisterung seiner Dozenten.
Das erste Jahr verbrachte Justus in England und spielte dort für den mehrfachen englischen Meister HC Reading. Ab dem 20. September geht es nach Madrid – einen Aufbaukurs Spanisch hat Justus, der neben Deutsch auch Französisch und Englisch spricht, schon in Oxford absolviert. In der spanischen Hauptstadt hat der Europareisende in Sachen Hockey auch schon einen neuen Club gefunden, den Club de Campo, bei dem in der nächsten Saison auch zufällig Nicolas Emmerling, Mitglied des deutschen Perspektivkaders, und Jan Hinrichs, vom deutschen Vize-Meister UHC, spielen werden.
Seine Hockey-Wurzeln hat der in Starnberg geborene Justus Scharowsky in der Talentschmiede des Schwabacher Hockey Clubs. Dort lernte er den Krummstocksport bei Weltmeisterin Steffi Hentschel und ihrem Mann Wolfgang, den Eltern seiner Nationalmannschaftskollegen Oliver und Tobias Hentschel, die beide den Sprung in den 16-köpfigen Olympiakader nicht schafften. Erst danach kam der Wechsel zur HG Nürnberg.
1997 bis 1999 war lediglich Schulhockey angesagt, weil er auf einem Internat in Schottland zur Schule ging.
Seine erfolgreichste Zeit im Verein hatte Justus, als er 1999 für anderthalb Jahre seine Bundeswehrzeit in Hamburg absolvierte. Zwei Feld-Meistertitel und der Gewinn des Europapokals der Landesmeister konnte er in der kurzen Zeit beim Club an der Alster realisieren. Dann folgte der studienbedingte Wechsel zum Münchner SC, bis sein internationaler Studiengang ihn auch aus der Isar-Metropole wieder weg führte.
Für Athen drücken Justus neben seinen Eltern auch die Schwestern Laura, 21, und Judith, 18, die Daumen, die beide auch Bundesliga spielen – Laura bis vor kurzem in Mannheim (geht zum Studium nach La Coruna) und Judith ab sofort bei der HG Nürnberg. Und auch Freundin Steffi Tischer, mit der Justus seit zwei Jahren liiert ist, unterstützt ihn. Sie reist sogar mit der kompletten Familie im Wohnmobil nach Griechenland und schaut sich ihren Justus aus nächster Nähe auf dem Hockeyplatz an. 

dha - deutsche hockey agentur

Fotos honorarfrei für Veröffentlichung bestellbar unter 04101-590488

 
 

powered by:

gamma software

 
© 1999-2004 Deutscher Hockey-Bund e.V. Theresienhöhe 50354 Hürth
Fon: +49 2233 942440 Fax: + 49 2233 942444