|
Björn Emmerling – Der Edeltechniker liebt das dolce vita
Beinahe hätte er seine dritte Olympiateilnahme in letzter Minute verpasst
Björn Emmerling ist neben Christoph Bechmann der einzige Akteur im deutschen Team, der in Athen bereits seine dritten olympischen Spiele bestreiten wird. Der gebürtige Hesse gilt schon seit vielen Jahren als einer der besten Techniker weltweit und ist dank seiner Sololäufe ein unverzichtbarer Baustein im Erfolgsmosaik von Bundestrainer Bernhard Peters. Viele Experten halten ihn aufgrund seiner Konstanz und Spielübersicht sogar für den wichtigsten Akteur im deutschenTeam.
„Björn ist mit Sicherheit einer der komplettesten Spieler überhaupt. Er ist defensiv wie offensiv fast gleich stark und dadurch unheimlich wertvoll für uns“, hält sich auch Peters nicht mit Lob zurück. Bezeichnend für den meistens als linker Außenverteidiger agierenden Wahl-Stuttgarter ist seine Länderspielstatistik. Mit 50 Toren in 216 Matches könnte ma n beinahe meinen, er würde in der Regel als Mittelstürmer auflaufen. „Ich liebe es eben, mich in den Angriff mit ein zu schalten. Dabei ist es doch ganz normal, dass mir hin und wieder mal ein Tor gelingt“, erklärt Björn bescheiden. Auch abseits des Feldes ist der 28-jährige kein Mann der lauten Töne. Als zukünftiger Diplom-Ökonom – Björn wird im Frühjahr 2005 sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim (bei Stuttgart) abschließen – interessiert er sich in der Freizeit eher für Computer und Web-Design. Daneben arbeitet er noch am Lehrstuhl für internationales Management als studentische Hilfskraft, auch wenn er dort aufgrund der Olympiavorbereitung zuletzt nur selten anwesend sein konnte. Am liebsten aber genießt er die momentan sehr rar gesäten freien Tage in aller Ruhe an einem entspannten Ort. Ganz ohne Stress oder besondere Action. „Auf Neudeutsch nennt man das wohl chillen. Wenn man so will, kann ich manchmal ein extrem guter Chiller sein“, lacht der Kickers-Star. Diese Entspanntheit hat er wahrscheinlich aus Barcelona mit gebracht, wo er vom dritten bis zum neunten Lebensjahr aufwuchs und auch mit dem Hockey begann. Sein Vater wurde damals von Boehringer Ingelheim in die katalanische Metropole versetzt, Mutter Emmerling arbeitete parallel auf der deutschen Schule vor Ort. In dieser Zeit wurde auch Björns jüngerer Bruder Nici – selbst auch schon im erweiterten A-Kader – geboren. „Ich denke, wir haben beide etwas von der südländischen Mentalität abgekriegt, die Dinge locker zu sehen und das dolce vita zu genießen. Ich jedenfalls könnte mir gut vorstellen, mal in Spanien meine Zelte aufzuschlagen“, blickt der amtierende Weltmeister voraus. Allerdings müsste er seine Planungen erstmal mit Freundin Julia absprechen, die seit über sechs Jahren die Frau an seiner Seite ist. Die beiden lernten sich schon zu Björns Rüsselsheimer Zeiten - für den hessischen Traditionsclub war er von 1990 bis 2000 aktiv – kennen und schwingen nun sogar gemeinsam für die Stuttgarter Kickers den Schläger. „Julia wird im Herbst ihr Studium beenden. Nach meinem Diplom müssen wir dann mal in aller Ruhe überlegen, wie es weitergeht“, hat Björn aber noch keine konkreten Pläne. Was den Verlauf der olympischen Spiele angeht, hat „Emmel“ – „den Spitznamen gab mir Berti Rauth, weil er Björn Michel und mich in der Jugendnationalmannschaft nie auseinander halten konnte“ – schon klarere Vorstellungen: Erst mal das Halbfinale erreichen, um dann richtig zu zu schlagen. Er hat auch schon eine Erklärung parat, warum er fest an das Erreichen dieser Ziele glaubt: „Wir sind amtierender Weltmeister und haben uns unter Bernhard gerade auch mental unheimlich weiter entwickelt. Außerdem weiß der Großteil des Teams, was bei Olympia auf uns zukommt.“ Um ein Haar hätte er selbst seine große Erfahrung nicht mit in die Waagschale werfen können. Denn bei einem unglücklichen Trainingsunfall im Vorfeld des Vier-Nationen-Turniers in Düsseldorf Mitte Juli erwischte es Björn mit einem Kapselriss am Finger. Der Olympiatraum schien geplatzt. Erinnerungen an 1998 wurden wach, als Emmel kurz vor der Weltmeisterschaft ebenfalls wegen einer Verletzung passen musste. „Ich hatte schon häufig Pech mit Verletzungen. Aber bis auf 1998 eigentlich nie vor wichtigen Turnieren. Natürlich hatte ich plötzlich riesige Angst, dass ein großer Traum platzt“, erinnert er sich zurück. Aber Björn hatte Glück im Unglück. Nach zwei Wochen konnte er die Hand wieder voll belasten und der dritten Olympiateilnahme stand nichts mehr im Wege. Er hat sich diesmal sogar extra eine Digitalkamera gekauft, um einige Impressionen von der Eröffnungsfeier zu sammeln. „Der Einlauf ins Stadion ist für mich der emotionalste Moment überhaupt. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie wir in Sydney einliefen und uns fast 100.000 Menschen zujubelten“, freut er sich schon auf die Auftakt-Zeremonie. Im olympischen Dorf wird man ihn dagegen eher selten in Paparazzi-Manier auf „Trophähenjagd“ sehen. „Meine Idole wie Boris Becker oder Michael Johnsen haben längst aufgehört. Ich werde mich ganz auf den Gewinn meiner ersten olympischen Medaille konzentrieren.“
dha - deutsche hockey agentur
Fotos honorarfrei für Veröffentlichung bestellbar unter 04101-590488
|