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Philipp Crone – der „Herr der Stöcke“
Der Münchner ist ein Kraftpaket mit vielen kreativen Talenten
In eine Schublade will der deutsche Innenverteidiger mit der Rückennummer vier so gar nicht passen. Philipp Crone, den in Hockeykreisen alle nur „Hupe“ nennen, bietet ganz unterschiedliche Facetten. Rein optisch unterscheidet er sich komplett von seinem kongenialen Partner in der Zentrale der deutschen Defensivabteilung. Deutlich mehr als einen Kopf kleiner als Florian Kunz und alles andere als schlaksig ist Crone.
Der „Abräumer“ in der Abwehr scheint ausschließlich aus Muskeln zu bestehen. Die Beine würden manchem Eisschnellläufer zur Ehre gereichen, die Unterarme lassen erahnen, dass er den wahrscheinlich schwersten Hockeyschläger spielt, der in Athen zum Einsatz kommt. Obwohl Philipp erst 27 Jahre alt ist, weist er die drittmeisten Einsätze im deutschen Olympiateam auf. Bereits 278 Mal hat das Abwehr-Ass vom HC Rot-Weiß München seit dem 27. November 1996 das Trikot der Nationalmannschaft getragen. Häufiger waren nur Christoph Bechmann (279) und natürlich Rekord-Nationalspieler Björn Michel (325) im Einsatz. Größter Erfolg war bislang der Gewinn des Weltmeistertitels 2002 in Malaysia. Als Tiefpunkt seiner Karriere bezeichnet er die 1:2-Niederlage gegen Großbritannien in der Vorrunde der Olympischen Spiele von Sydney 2000. Damals lief ihm die Strafecke, die die Niederlage der deutschen Mannschaft und damit das Verpassen der Medaillenrunde besiegelte, auf der Torlinie über den Schläger. Daran hat der ehrgeizige Sportler lange geknabbert. Vielleicht war auch deshalb Athen 2004 schon früh ein Ziel, auf das Philipp Crone mit unglaublichem Fleiß hingearbeitet hat. Er gilt allerdings ohnehin als einer der trainingsfleißigsten Spieler im Kader von Bundestrainer Bernhard Peters. Trotz der vielen Länderspiele und Erfolge, hat der in Köln geborene Wahl-Bayer schon angekündigt, dass er nach Athen definitiv weiter zur Verfügung steht. „Die Weltmeisterschaft 2006 in Mönchengladbach steht bei mir auf jeden Fall als Ziel“, so Crone. Veränderungen gibt es im Leben des bekennenden Schokolade-Fans dennoch erhebliche nach Athen. Für die nächste Feldsaison zieht es den Diplom-Biologen – im März schloss er sein Studium ab und ist seitdem in Hinblick auf Athen nur noch „Diplom-Hockeyspieler“ (O-Ton) – nach Italien. Beim HC Roma wird er gemeinsam mit dem deutschen Mittelfeldregisseur Christoph Eimer den Schläger schwingen. Einen Job als Biologe hat er für die Zeit in der italienischen Hauptstadt auch bereits in Aussicht. Seine Diplomarbeit drehte sich um die Themen Physiologische Botanik und Proteinanalyse. Doch festgelegt auf diesen Themenbereich ist Philipp keineswegs. Im Gegenteil: Auch in den Bereich Wirtschaftsjournalismus würde der vielseitige Leistungssportler gern noch einmal „reinschnuppern“. Die sprachlichen Probleme für seine „italienische Saison“ soll ein Crashkurs nach Athen beheben. Angesichts der guten italienischen Küche wird der Genussmensch Crone die vorübergehende Entwöhnung von bayerischen Spezialitäten, wie Obazda oder Weißbier (auch als Leistungssportler mal erlaubt), verkraften können. Als Single – „ich bin einer von nur noch zwei Singles im Team – eine aussterbende Spezies“, so Crone – hält ihn auch keine Beziehung in der Isar-Metropole. Ungewöhnlich ist sicher, die räumliche Trennung von der Familie. Bis zuletzt spielte er bei Rot-Weiß München mit dem jüngeren Bruder Clemens, 25, in einer Abwehrreihe. Der jüngste Bruder Benedikt, 24, steht im Aufgebot der 2. Herren des Clubs. Die Wurzeln des Hockeyspielens liegen bei Philipp jedoch nicht in München, sondern in Leverkusen, beim RTHC, wo er von 1983 bis 1988 aktiv war. Dann zog es die Familie an die Isar. 1988 begann auch die zweite ganz große Leidenschaft des heute 27-Jährigen: das Schlagzeugspielen. Seit einigen Jahren ist der Hockey-Nationalspieler Drummer in der Band „So Why“. Einige CDs wurden schon aufgenommen, auch wenn die Musiker insgesamt keine professionellen Ambitionen haben.
Er habe sich als Ziel gesetzt, „So Why“ einen Auftritt in Rom zu verschaffen, verrät „Hupe“, allerdings werde er sich in Italien auch für die Zeit seines Aufenthalts ein Schlagzeug kaufen und versuchen, eine Band vor Ort zu finden, die nicht allzu hohe Ansprüche an den Drummer stellt. „Das Schlagzeug bietet mir einen gewissen Ausgleich, ein Ventil. Allerdings nicht für Aggressionen, sondern eher geistig-atmosphärisch.“ Die kreative Ader, die Philipp Crone als Defensivspieler auf dem Hockeyplatz nicht ausleben kann, kommt bei ihm nicht nur bei seinen regelmäßigen musischen Ausflügen ans Tageslicht. Als ganz spezieller Kolumnist gibt er auf der Website des Deutschen Hockey-Bundes (www.deutscher-hockey-bund.de) in regelmäßigen Abständen Einblicke in „Hupes Welt“. Die Kurzaufsätze des Nationalspielers sind für viele Hockeyfans längst Kult, auch wenn es eine Zeit braucht, bis man sich in die Begrifflichkeiten und kuriosen Formulierungen des Münchners eingelesen hat.
dha - deutsche hockey agentur
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