|
Julia Zwehl - „Zorro“ träumt vom Halbfinale
„Was ‚Rehakles’ erreicht hat, das können wir auch schaffen“
Wer sich ein paar Minuten mit Julia Zwehl unterhält, wird automatisch von ihrer guten Laune angesteckt. Die sympathische Hannoveranerin ist in ganz Hockey-Deutschland als Stimmungskanone bekannt. Und auch dafür, dass sie das Leben in vollen Zügen genießt. „Es stimmt schon, dass ich sehr gerne abends ausgehe und auch mal ein Bierchen trinke. Trotzdem kann sich jeder zu 100 Prozent auf mich verlassen, wenn es um meine Leistung auf dem Platz geht“, sieht Julia darin kein Problem.
Sie wird zwar in Athen zunächst nur als Ersatzkeeperin hinter Louisa Walter an den Start gehen, will aber trotzdem einen wichtigen Teil zum erfolgreichen Abschneiden beitragen. „Louisa hat zuletzt klasse gehalten, deshalb ist sie verdient die Nummer eins. Ich werde das Team mit meiner Art so gut wie möglich von außen unterstützen und auf meine Chance warten. Das Turnier ist lang, mal sehen, was da so alles passiert“, hat die 28-jährige die Hoffnung auf einen Einsatz noch nicht aufgegeben. Es würde auch nicht zu Julias Ehrgeiz und ihrer positiven Lebenseinstellung passen. Mit diesen Eigenschaften hat sie sowohl sportlich, als auch privat schon immer fast alle Ziele erreicht. Bereits mit 14 Jahren schaffte sie (1990) den Sprung ins deutsche U16-Team, spielte vier Jahre lang ununterbrochen in den DHB-Auswahlmannschaften. Dann legte sie erst mal eine Nationalmannschaftspause ein, „weil mich der ganze Aufwand mit tausend Lehrgängen im Jahr irgendwann einfach genervt hat.“ 1997 meldete sich Julia Zwehl zurück. Motiviert durch das schwache Abschneiden der deutschen Damen in Atlanta und mit neu gewecktem Erfolgshunger. „Wir waren damals mit Franzi Gude und einigen anderen Freundinnen im Sommer urlaub in Marbella. Als wir am Fernseher gesehen haben, was unsere Mädels da in den USA zusammen-spielten, haben Franzi und ich uns geschworen, dass wir das besser können. Ich wollte es mir einfach noch mal beweisen.“ Es folgten drei Champions-Trophys, die Weltmeisterschaft 1998 in Utrecht (3. Platz) und die Silbermedaille bei der EM in Köln ein Jahr später – gleichzeitig ihr bislang größter sportlicher Erfolg. Weniger erfolgreich war dann aber das Abschneiden bei den letzten olympischen Spielen in Sydney. Am Ende wurde das Team des damaligen Trainers Berti Rauth nur Siebter. „Leider hat da alles nicht so optimal zusammen gepasst. Wir müssen diesmal viel kämpferischer und geschlossener auftreten. Und uns vor allem als absolut harmonisches Team präsentieren. Dann können wir positiv überraschen“, fordert Zwehl. Mit genau dieser Einstellung hat sich „Zorro“ – „Caro Casaretto kann wirklich aus jedem Namen was Verrücktes basteln“ – auch ihre berufliche Zukunft aufgebaut. Trotz vieler gegenteiliger Ratschläge begann sie im Herbst 2000 eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im „Courtyard Marriott Hotel“ in Hannover. Besonders die ersten drei Monate waren für sie eher eine Qual – Minibardienst stand auf dem Programm. „Das war wirklich verdammt hart. Jeden Tag 179 Minibars aufzufüllen, ist kein Zuckerschlecken. Vor allem nicht, wenn sich darin Döner oder ähnlich leckere Dinge befinden“, erinnert sich Julia zurück. Trotz aller Widrigkeiten machte sie ihren Abschluss zur Hotelfachfrau und sieht in der Gastronomie auch die Branche, in der sie in den nächsten Jahren tätig sein will. „Alles andere ist nichts für mich. Ich habe schon diverse Praktika gemacht, mich aber nirgends wohl gefühlt“, erklärt „Zorro“. Der Job würde im übrigen auch extrem gut mit ihren Hobbies harmonieren. Julia ist bekennender Weinfan und liebt ausgiebige Menüs. Am liebsten im Restaurant. So fängt sie ihren Tag nach einer kurzen „Katzenwäsche“ auch meistens in einem nahe gelegenen Bistro an. „Milchkaffe, Croissants und Zeitung lesen, dann geht’s mir gut.“ Aber auch in den heimischen vier Wänden wird häufig ein leckeres Essen zubereitet. Julia und ihr Freund Hanns Werner (42) sind große Kochfans. Hier schlägt sich dann die Hotelausbildung positiv nieder. „Da habe ich mir einige Tricks vom Chefkoch abgeschaut, die mir heute zugute kommen. Unsere Gäste sind zumindest immer begeistert von meinen Kreationen“, lacht sie. Neben kulinarischen Genüssen liebt Julia es vor allem, mit ihrem Opa Kalli (84) über Hannovers Antiquitätenmärkte zu schlendern. „Er ist der Größte für mich. Ich hole ihn mindestens ein Mal pro Woche ab und dann haben wir eine Nachmittag lang richtig Spaß miteinander.“ Manchmal wird die Nationaltorfrau dabei auch von Passanten erkannt. In Niedersachsens Landeshauptstadt zählt der Gummibärchen- und Tischfußballfan zur (Sport)Prominenz. Zwei Mal war sie schon Sportlerin des Jahres. Ministerpräsident Christian Wulff ist ein großer Fan von Julia, genauso der CDU-Fraktionsvorsitzende David McAllister. Er war es auch, der sie als Wahlfrau für die Wahl des Bundespräsidenten einbrachte. So reiste Julia im Mai zur Bundesversammlung nach Berlin, um ihren Stimme für Horst Köhler abzugeben. „Eine tolle Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Neben all den politischen Größen waren auch einige Sportstars wie Kalle Rummenigge oder Jens Weißflog anwesend. Ich bin stolz, einmal dabei gewesen zu sein“, erklärt die 28-jährige. Für Athen sind die Ziele deutlich höher gesteckt : „Erstens möchte ich Franzi Gude den Titel als Kniffel-Olympiasiegerin abluchsen. Und zweitens am Ende mit dem Team auf dem Siegerpodest stehen. Was Rehakles geschafft hat, können wir auch packen!“
dha - deutsche hockey agentur
Fotos honorarfrei für Veröffentlichung bestellbar unter 04101-590488
|