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  * Damen * Team-Vorstellung * Angriff * Casaretto, Caroline   Samstag, 4. September 2010

C A R O L I N E   C A S A R E T T O



Münchner SC

26 Jahre 

Berufsziel

Grundschul-

lehrerin

 

Rückennr. 6 

 

1996   1.Platz   6-Nationen-Turnier U18 Paris
1996   1.Platz   8. U21-Europameisterschaft Cardiff
1997   4.Platz   3. U21-Weltmeisterschaft Seoul
1998   1.Platz   9. U21-Europameisterschaft Belfast
1999   2.Platz   5. Europameisterschaft Köln
1999   3.Platz   Champions Trophy Brisbane
2000   3.Platz   Olympic Qualifier Milton Keynes
2000   7.Platz   Olympische Spiele Sydney
2000   2.Platz   Champions Trophy Amstelveen
2003   1.Platz   Champions Challenge Catania
2003   3.Platz   9. Europameisterschaft Barcelona
2004   1.Platz   Olympische Spiele Athen


77 Länderspiele, 8 Tore (Stand: 31.7.04) 


 


Caroline Casaretto – trotz Bandscheiben-OP ins Team gekämpft

Von Spitznamen, Flugangst und „Die drei ???“-Kassetten

Wenn Caroline Casaretto am 10. August die Boeing in Richtung Athen besteigt, wird sie garantiert ein mulmiges Gefühl im Magen haben. Nicht etwa aus Furcht vor den starken Vorrundengegnern des deutschen Teams. Und auch nicht wegen der großen Hitze in der griechischen Metropole. Die 26-jährige Münchnerin hat Flugangst und betritt eigentlich immer nur dann einen Flieger, wenn sie mit der Nationalmannschaft unterwegs ist. „Irgendwie halte ich es zwar immer aus, aber längere Flüge sind trotzdem der Horror für mich. Wenigstens haben die anderen dann immer was zu lachen, wenn ich mit verzerrtem Gesicht dem Start entgegen fiebere“, sagt Caroline mit einem gehörigen Schuss Selbstironie.


Doch sobald sie wieder festen Boden unter den Füßen hat, ändert sich dieses Bild schlagartig. Die Mittelfeldspielerin gilt als absoluter Gute-Laune-Typ, der selbst um keinen Spruch verlegen ist. Vor allem aber ist sie in ihrer Funktion als „Spitznamenministerin“ gefürchtet. Kaum eine deutsche Nationalspielerin hat ihren „Nickname“ nicht von der sympathischen Münchnerin, die seit sechs Jahren zum A-Kader gehört. „Da bin ich sehr erfindungsreich und extrem hartnäckig. Wenn mir ein Name gut gefällt, ziehe ich das solange durch, bis ihn alle übernommen haben“, lacht sie. „Zorro“ (Julia Zwehl), „Kaiser“ (Franziska Gude) und „Dolly“ (Tina Bachmann) sind nur ein paar Beispiele ihrer geistigen Auswüchse.
Etwas ernster wird Caro, wie sie in Hockeykreisen genannt wird, beim Thema Verletzungen. Zwei Bandscheibenvorfälle hat sie schon erlitten, von denen letzterer sie beinahe die Teilnahme an den Athen-Spielen gekostet hätte. Die Probleme begannen bei der Europameisterschaft im vergangenen September, als die gebürtige Krefelderin wegen anhaltender Rückenbeschwerden gleich drei Mal aussetzen musste. Die anschließende Kernspin-Tomographie ergab eine Verletzung der Bandscheibe an genau der selben Stelle, die sie schon Ende 2000 nur dank intensiver Krankengymnastik wieder in den Griff bekommen hatte.
Doch diesmal halfen alle herkömmlichen Methoden nichts. Trotz unzähliger Rehastunden und Spritzenkuren gingen die Schmerzen nicht weg – eine Operation war unumgänglich. „Ich konnte weder schmerzfrei in der Uni sitzen, noch zu Hause auf dem Sofa liegen. Olympia hatte ich damals eigentlich schon fast abgehakt“, erinnert sie sich zurück. Doch direkt nach der gelungenen OP erwachte ihr Kämpferherz. Fast täglich trainierte Caro im Reha-Zentrum und auf dem Laufband, um den Rückstand zu den Kolleginnen aufzuholen. „Ich musste in zwei Monaten alles wettmachen, was sich die anderen in einem halben Jahr antrainiert hatten. Deshalb war mein Motto: Gas geben ohne Ende.“
Genauso konsequent geht die Lehramtsstudentin (Grundschule) der Fächer Geographie, Deutsch, Mathe und Sport auch ihrem liebsten Hobby nach. Als begeisterter „Die drei ???“-Fan hat Caro weit über 100 Hörspiel-Kassetten zu Hause in ihrer Sammlung. Sie war sogar schon mal auf einer Unplugged-Lesung mit den Originalsprechern der Kultserie. „Philipp Zeller hatte mich damals eingeladen. Das war ein tolles Erlebnis für einen Freak wie mich.“ Wenn sie nicht vor dem Kassettenrekorder sitzt, liest die zweifache Junioren-Europameisterin gerne Kinderbücher wie „Momo“ oder „Räuber Hotzenplotz“, „um mich schon mal auf den Schulunterricht vorzubereiten.“
Außerhalb der eigenen vier Wände liebt sie das, was alle Münchner gerne machen: Skifahren, die umliegenden Badeseen erkunden und Biergartenbesuche. Seit eineinhalb Jahren wird sie dabei meistens von Freund Johannes Specht – selbst Bundesligaspieler beim MSC – begleitet. Er war auch in der schwierigen Verletzungsphase Caros entscheidende Bezugsperson. „Gerade wenn es einem mal schlecht geht, ist eine gut funktionierende Beziehung sehr wichtig. Johannes konnte als Sportler natürlich gut nachvollziehen, wie ich mich gefühlt habe“, erinnert sich Caro zurück.
Auch zu ihren Eltern, die seit vielen Jahren direkt neben der Clubanlage des Crefelder HTC wohnen, hat die 76-fache Internationale ein sehr gutes Verhältnis. Bei wichtigen Spielen sind sie häufig anwesend und unterstützen die erfolgreiche Tochter. Obwohl sie in Athen nicht live mit vor Ort sein werden, glaubt Caro fest an ein erfolgreiches Abschneiden. „Wir sind vor allem athletisch viel stärker geworden. Außerdem haben wir einen tollen Teamspirit und viel Selbstvertrauen“, erklärt sie ihren Optimismus. Eine ersten persönlichen Erfolg hat die Münchnerin schon im Vorfeld der Spiele gefeiert.
Sie darf nach zweijähriger „Trennung“ – unter Bundestrainer Markus Weise werden die Zimmerkombinationen ausgelost - endlich wieder mit Tina Bachmann ein Doppelzimmer beziehen. Mit der Raffelbergerin hatte sie von der U 16 bis zum C-Kader gemeinsam alle DHB-Teams durchlaufen und bei zahlreichen Lehrgängen im „Balldienst“ fungiert. „Wir waren immer die jüngsten und mussten diese unangenehme Aufgabe übernehmen. Da lag es nahe, dass wir uns auch das Zimmer teilen“, erklärt Caro. Wie lange die beiden nach Athen noch ein Duo bilden, hängt in erster Linie davon ab, wie zielstrebig Caroline ihren privaten Träumen nachgeht. „Ich will sicher nicht mehr ewig spielen, weil ich gerne eine eigene Familie gründen und Kinder bekommen möchte. Spätestens dann ist Schuss mit dem Hockey.“
 

dha - deutsche hockey agentur

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