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Sebastian Biederlack – eine Tellerwäscherstory
Vom Drittligaspieler zu einem der besten Mittelfeldakteure der Welt
Sebastian Biederlack ist ein stiller Vertreter der Hockeyzunft. So still, dass es fast unbemerkt geblieben ist, dass der 22-Jährige innerhalb von wenigen Jahren zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt gereift ist. Bei Bundestrainer Bernhard Peters gilt „Buddy“ als gesetzt – dieser Spitzname hat in Hockeykreisen den „Basti“ inzwischen abgelöst, was auch Vergleiche mit Fußball-Supertalent Sebastian Deisler nun etwas relativiert.
Zumal der von der BILD-Zeitung gern propagierte „Basti Fantasti“ des Club an der Alster im Gegensatz zu seinem Millionen-schweren Fußball-Na mensvetter auch konstant Leistung auf höchstem Niveau bringt. Der inzwischen 106-fache Nationalspieler, mit der zumeist etwas wirren rötlichen Lockenpracht, ist ein absoluter „Hockeyholic“. Seine Meisterleistung im Erringen von Titel stammt aus der Saison 2001/2002. Da gewann er den WM-Titel mit den Herren, WM-Bronze mit den Junioren, wurde Champions Trophy Sieger und holte mit seinem Club an der Alster die deutsche Meisterschaft und den Europapokal der Landesmeister – und das alles innerhalb von ein paar Monaten. Dabei gleicht seine Hockeykarriere der fabulösen amerikanischen Story „vom Tellerwäscher zum Millionär“. In Rissen spielte Biederlack dritte Liga auf Naturrasen. Den Bundestrainern war das Talent dennoch bereits aufgefallen. Innerhalb kürzester Zeit vollzog sich dann der Aufstieg zum Stammspieler im Nationalteam. Allerdings hat „Buddys“ Tellerwäs chergeschichte nur symbolisch das Millionärsende zu bieten, denn das Hockey-Ass lebt, wie die meisten Nationalteam-kameraden von ein paar Hundert Euro Sporthilfe im Monat. Verzicht hat der Rotschopf jedoch schon als Schüler gelernt. Seine Abiturfeier (Note 2,2) verpasste er – natürlich wegen eines Hockey-Länderspiels. Inzwischen hat er in Hamburg nach dem Abitur seinen Zivildienst absolviert und studiert seit Oktober 2002 dort Politik im Hauptfach und im Nebenfach VWL. Eine der hervorstechendsten Eigenschaften an dem Mittelfeldspieler ist sein Ehrgeiz und die Selbstdisziplin, mi t der er die gesteckten Ziele verfolgt. Pausen müssen Biederlack verordnet werden. So geschehen zuletzt bei der Hallen-Weltmeisterschaft 2003. Während manch anderer Nationalspieler sich dann laut beschwert und seinen Platz eingefordert hätte, akzeptierte der Youngster aus Hamburg die Entscheidung von Peters. Und hält sich einfach an die Trainingspläne, die ihn manchmal auch bremsen sollen. Wird er gebraucht, ist er sofort zur Stelle – wie etwa beim Ausfall von Florian Kunz kurz vor der Hallen-EM im Januar 2003 – übrigens noch ein Titel, den Biederlack schon gewonnen hat. bei so viel Sportprogramm bleibt für’s Privatleben gerade vor Olympia wenig Zeit. Sein Glück, dass er seit Beginn des Jahres mit einer Hockey-Bundesligaspielerin liiert ist. Martina Heinlein vom Club an der Alster hatte auch schon Einladungen zum A-Kader, kennt also die Befindlichkeiten. Sebastians Zuhause ist derzeit eine Wohngemeinschaft mit Alsters Stürmer Benjamin Laatzen, dessen Vater Hermann Laatzen (im Hauptberuf Goldschmied!) üb rigens als Trainer Biederlacks Talent entdeckt und gefördert hat. Dabei musste sich das Sporttalent irgendwann erst einmal für Hockey entscheiden. Noch mit 16 Jahren gehörte er auch zu den besten acht Tennisspielern seines Jahrgangs in Hamburg. Dann kamen die Einladungen vom Deutschen Hockey-Bund zu den Jugend-Nationalmannschafts-lehrgängen – und Sebastian traf die richtige Entscheidung. In Athen bekommt der Dauerläufer im deutschen Mittelfeld familiäre Unterstützung. Sogar Schwester Christiane hat Karten für das Hockeyturnier in Athen erworben. Die Eltern - Mutter Liane ist Lehrerin, Vater Friedrich Kaufmann – gehören ohnehin zu den eifrigsten Unterstützern auf den Fantribünen dieser Hockeywelt. Sie lassen sich kaum ein Turnier des Sohnes entgehen – und Olympia ist fraglos die Krönung der beeindruckenden Karriere. Mit im Gepäck wird sicher ein gutes Buch den Weg nach Griechenland finden. Denn für den als Typ eher zurückhaltenden und bescheidenen Nationalspieler ist die gute Lektüre eines Buches idealer Ausgleich für die sportlichen Strapazen. Sein Tipp: Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon. „Ist nicht das letzte Buch, das ich gelesen habe, aber seit langer Zeit absolut das beste“, so Biederlack.
dha - deutsche hockey agentur
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