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  * Herren * Team-Vorstellung * Angriff * Bechmann, Christoph   Montag, 6. September 2010

C H R I S T O P H    B E C H M A N N



Der Club an der Alster Hamburg

Jahrgang 1971

Student

 

Rückennr. 18

 

1994   4.Platz   8. Herren-Weltmeisterschaft Sydney
1995   1.Platz   7. Herren-Europameisterschaft Dublin
1995   1.Platz   17. Champions Trophys Herren Berlin
1996   4.Platz   Olympische Spiele Herren Atlanta
1996   3.Platz   18. Champions Trophys Herren Madras
1997   1.Platz   8. Herren-Hallen-Europameisterschaft Lievin
1997   1.Platz   19. Champions Trophys Herren Adelaide
1998   3.Platz   9. Herren-Weltmeisterschaft Utrecht
1999   1.Platz   9. Hallen-Europameisterschaft Slagelse
1999   1.Platz   8. Herren-Europameisterschaft Padua
2000   2.Platz   22. Champions Trophy Herren Amstelveen
2000   5.Platz   Olympische Spiele Herren Sydney
2002   1.Platz   10. Herren-Weltmeisterschaft Kuala Lumpur
2002   2.Platz   24. Champions Trophy Herren Köln
2003   1.Platz   9. Herren-Europameisterschaft Barcelona
2004   3.Platz   Olympische Spiele Athen

282 Länderspiele, 148 Tore (Stand: 16.8.2004)


 


Christoph Bechmann - „organisierter Chaot“ mit zwei unterschiedlichen Gesichtern

„Bechi“ möchte in Athen Edelmetall im dritten olympischen Anlauf

Christoph Bechmann ist einer der erfahrensten Akteure im Team von Bundestrainer Bernhard Peters. Seit zehn Jahren trägt der Stürmer vom deutschen Meisters Club an der Alster das Trikot der Nationalmannschaft. Er wurde einmal Welt- und dreimal Europameister, gewann insgesamt sechs Mal die Champions Trophy. Nur olympisches Edelmetall blieb „Bechi“ – unter diesem Namen ist er in Hockeykreisen bekannt – bislang verwehrt. Die Spiele in Athen sind definitiv die letzte Chance für den 32-jährigen.


„2008 werde ich nicht mehr spielen. Deshalb bin ich auch besonders heiß auf dieses Turnier. Nach zwei vergeblichen Anläufen will ich auf keinen Fall noch mal mit leeren Händen dastehen“, hat Bechmann einen Podestplatz fest im Visier. Bislang verhinderten aus seiner Sicht ganz bestimmte Fehler im Umfeld ein besseres olympisches Abschneiden. „1996 war es einfach falsch, die alten Spieler um Fischer und Fried zurück zu holen, obwohl wir ein Jahr zuvor mit einer jungen Truppe Europameister geworden waren. Und in Sydney waren wir viel zu defensiv eingestellt und haben uns dann am Ende in die Hosen geschissen.“ Bechmann ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt.
Genauso berüchtigt ist seine sehr impulsive und manchmal hitzköpfige Art auf dem Platz, die ihm immer mal wieder kleinere Verschnaufpausen auf der Strafbank einbringt. Aber gerade diese Eigenschaften zeichnen den gebürtigen Speyrer auf der anderen Seite auch aus. „Mit seinen Emotionen kann Bechi das Team mitreißen, wenn es mal nicht so gut läuft. Solange er uns damit nicht in Unterzahl bringt, habe ich nichts gegen seine aggressive Spielweise“, betont Coach Peters.
Das Durchsetzungsvermögen entwickelte Bechi als jüngster von drei Hockey spielenden Brüdern schon in sehr jungen Jahren. Mit 14 wechselte er von seine Stammverein HC Speyer, den übrigens seine beiden Großväter mit gründeten, nach Frankenthal, um sich in einem stärkeren Umfeld weiter zu entwickeln. Im Alter von 20 Jahren wagte er den Schritt zum Pfälzer Erzrivalen Bad Dürkheim, wurde auf Anhieb zwei Mal Meister. Über die Zwischenstation Mönchengladbach fand er schließlich 1997 sein (sportliches) Glück in der Hansestadt. Hockey-Ikone Christian „Büdi“ Blunck, mit dem er auch mehrere Jahre eine WG bildete, lotste Bechi zum Harvestehuder THC, den er 2000 zum Titel schoss. Seit gut einem Jahr geht der Altstar nun für den Club an der Alster auf Torejagd, „weil ich mich dort am optimalsten auf Athen vorbereiten konnte.“
Außerhalb des Platzes ist der Mann mit dem eingebauten Torriecher – 147 Treffer in 278 Länderspielen sprechen für sich – ein eher ruhiger Zeitgenosse. Als Geschäftsführer des Hamburger Sportgeschäfts „Büdis Hockey Pool“ und Miteigentümer einer Event-Marketing-Agentur lernen die Kunden einen stets höflichen, fast schon introvertierten Christoph Bechmann kennen. „Das entspricht auch mehr meinem Charakter. Aber sobald es auf den Platz geht, werde ich ein anderer Mensch. Dann kämpfe ich mit allen Mitteln um den Sieg“, erklärt er seine „zwei Gesichter“.
Beinahe wäre die Karriere des Hockeyspielers Bechmann schon 2001 zu Ende gegangen. Nach einem Achillessehnenriss in einem Pokalspiel hatten ihn viele schon abgeschrieben. Auch Bechi selbst zweifelte damals, ob er den Anschluss noch mal schaffen könnte. Ein Jahr später wurde er Weltmeister. „Als Pfälzer bin ich eben ein geborener Kämpfertyp. Ich habe versucht, nie aufzugeben und alles getan, um schnell wieder fit zu werden“, erinnert er sich an die unzähligen Rehastunden zurück. Nach Athen wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit – „zu 95 Prozent höre ich auf“ – Schluss sein mit der Quälerei. Zumindest im Nationalteam. In der Bundesliga will der sechsfache Deutsche Meister noch mindestens ein Jahr spielen, sich danach endgültig auf den Job konzentrieren und das Mehr an Freizeit genießen. „Durch unsere intensive Olympiavorbereitung mussten sowohl das Geschäft, als auch meine Freundin Julia seit einem Jahr häufig zurückstecken. Damit muss irgendwann Schluss sein“, steht für Bechmann eine Verschiebung der Prioritäten fest. Der begeisterte Handball- und Fußballfan wird dann wieder häufiger bei Spielen des HSV oder des THW Kiel auf der Tribüne sitzen. Oder aber mit Julia an der portugiesischen Atlantikküste – „eine absolute Traumgegend, ich war schon fünf Mal dort“ – urlauben, während sich die ehemaligen Kameraden auf Lehrgängen abrackern.
Dort werden sie neben seinen Toren am meisten die schusselige Art des Stürmers vermissen. Bechmann ist bekannt dafür, bei offiziellen Auftritten und Empfängen gerne mal im falschen Dress aufzutauchen. Häufig schon brach großes Gelächter aus, wenn er mal wieder als einziger optisch aus der Reihe fiel. „Ich mache das aber wirklich nicht, um aufzufallen. Irgendwie gehen solche Ansagen manchmal an mir vorbei. Insgesamt bin ich aber ein ganz gut organisierter Chaot“, lacht er.
Falls es ihm in Athen gelingt, für genügend Chaos in den gegnerischen Abwehrreihen zu sorgen, könnten zum Abschluss der internationalen Karriere gleich zwei Wünsche in Erfüllung gehen: Als amtierender Olympiasieger sein großes Vorbild Richard von Weizsäcker kennen zu lernen. „Ein Mann mit toller Ausstrahlung. Es hat mich immer fasziniert, wie er unser Land repräsentiert hat.“ Die Chancen stünden zumindest nicht schlecht, dass der sportbegeisterte Alt-Bundespräsident bei einer Ehrung im Schloss Bellevue anwesend wäre. 


dha - deutsche hockey agentur

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