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Björn Michel – eine Hockey-Rekordkarriere
Der Münchner Mediziner ist Rekord-Nationalspieler und -Torschütze
Der Münchner Goalgetter Björn Michel zog Anfang Januar beim Sultan Azlan Shah Cup in Kuala Lumpur mit seinem 304. Länderspieleinsatz an dem bisherigen deutschen Rekord-Internationalen Christian Mayerhöfer vorbei. Der bescheidene Bayer machte daraus keine große Affäre: „Das ist ein kleines Zuckerl für das Selbstbewusstsein. Ich klopfe mir deshalb nicht auf die Schulter. Wir absolvieren heute viel mehr Länderspiele im Jahr als noch vor zehn Jahren.“
Tatsächlich ist es aber schon der zweite Rekord, den Michel knackte. Während der Weltmeisterschaft 2002 an gleicher Stelle in Malaysia zog der blonde Stürmer in der ewigen Torschützenliste am bisherigen R ekordler Carsten Fischer (154 Tore) vorbei – und hat inzwischen exakt 72 weitere Treffer folgen lassen. Sein Rekord liegt damit bei 226 Toren in nunmehr 325 Länderspielen! Mit „Calle“ Fischer, dem glatzköpfigen Hockey-Idol der 80er und frühen 90er Jahre, hat Björn Michel nicht nur die enorm hohe Strafeckenquote gemein. Wie der Mülheimer ist auch er Mediziner. Trotz bis zu 120 Lehrgangstagen mit der Nationalmannschaft im Jahr, Bundesliga-Alltag für seinen Heimatclub Münchner SC und unzähligen Sonder-Trainingseinheiten als Strafeckenschütze, hat Michel sein Studium bereits abgeschlossen. Das Praktische Jahr absolvierte er in Turin an der dortigen Universitätsklinik, wo er von 2001 bis 2003 lebte. Letztes Jahr ist der älteste von vier Hockey spielenden Brüdern – alle drei jüngeren Michels, Sven, 27, Lars, 22, und Sören, 19 Jahre alt, sind ebenfalls für den MSC in der Bundesliga aktiv – an die Isar zurück gekehrt. „Im Mai 2003 habe ich mein 3. Staatsexamen abgeschlossen und schreibe sei tdem an meiner Doktorarbeit, beziehungsweise konzentriere mich voll auf mein großes Ziel Olympia“, erklärt Björn. „Zum Glück können wir uns durch die Unterstützung der Olympia-Stützpunkte, der Sporthilfe und unserer Vereine so lange für eine gute Vorbereitung freihalten.“ Es geht in der Doktorarbeit, die nach Olympia fertig werden soll, um „oxidativen Stress im Sport“ – der Mann weiß, worüber er da schreibt. Für Olympia hat er das Mannschaftsziel „Halbfinale“ übernommen, sagt aber auch ganz selbstbewusst, dass dann die Goldmedaille angepeilt werden soll. Doch auch für sich selbst gibt es ein Ziel: „Ich will ein Turnier spielen, bei dem ich persönlich meine absolute Leistungsfähigkeit zeigen kann. Sonst findet man imm er irgendwelche Kritikpunkte an sich selbst. Jetzt soll es mal das absolute Nonplusultra werden.“ Selbst beim Gewinn der WM-Goldmedaille hatte der selbstkritische Sportler noch etwas auszusetzen: „Da habe ich die letzten zwei Spiele durch einen Pferdekuss, den ich im letzten Gruppenspiel erhalten habe, nicht optimal spielen können.“ Und das sagt einer von sich, der das Siegtor im Finale gegen Australien durch einen unwiderstehlichen Flankenlauf über links mustergültig vorbereitete. In Griechenland erhält Björn Unterstützung von Lebensgefährtin Alexandra Rieger. Sie reist gemeinsam mit der Freundin von MSC-Mitspieler Christopher Zeller nach Athen zum Daumendrücken. Michel hat alles gewonnen, wurde Welt- und Europameister im Feld- und Hallenhockey, nur mit einer olympischen Medaille hat es in bisher zwei Anläufen noch nicht geklappt. Die soll nun folgen. Der Druck ist groß. Alle jagen den Weltmeister und Weltranglisten-Ersten. Schon vor vier Jahren gehörte der damalige Europameister zum Favoritenkreis bei Olympia in Sydney. „Ein Spiel, in dem wir nicht voll auf der Höhe waren, hat uns in Australien alles vermasselt“, erinnert sich Michel, der das Negativ-Erlebnis schnell verarbeitete. Schon zwei Wochen nach den Spielen war es abgehakt. Das ist die Art des introvertierten Erfolgstypen: „Was hinter mir liegt, darf mich nicht an den Zielen hindern, die ich mir noch vorgenommen habe.“ Deshalb steht für den Münchner Vollblutstürmer – im Gegensatz zu anderen Routiniers im Nationalteam – auch noch nicht fest, ob er seine Karriere nach Athen beenden wird. „Das hängt vom Resultat ab und von der Stelle, die ich dann bekomme.“ Wenn es beruflich und gesundheitlich gut läuft, wäre der 29-Jährige vielleicht sogar noch als Torgarant bei der nächsten Weltmeisterschaft 2006 in Mönchengladbach dabei. Die Marken, die er damit in den ewigen Ranglisten setzen würde, dürften dann wohl für die Ewigkeit sein. Fest steht, dass sich der sportverrückte Bayer – für Michel gibt es keine Hobbys, bei denen man sich nicht bewegen kann, deshalb zählen bei ihm nur Mountainbiking, Skifahren, Wandern, Golf und Tennis – nach Athen eine Pause gönnen wird. Bis zum Ende der Hallensaison 2005 soll sie gehen. Bis dahin will sich der Münchner in den neuen Job einarbeiten, für den er sich beworben hat. Am 1. November möchte der Hockey-Rekordler eine Assistenzarztstelle im Bereich Chirurgie/Orthopädie antreten.
dha - deutsche hockey agentur
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